Mittwoch, 28. September 2011

Harry and the Potters

Diesen Beitrag widme ich Neville Longbottom - weil er ja sonst nichts hat.

Nicht geplant, und doch gemacht! Das haben meine Eltern dem Arzt vor 23 Jahren auch gesagt. In diesem Fall bezieht sich der vor allem in der Underground-Szene Inkontinenzia beliebte Satz allerdings nur auf die Tatsache, dass ich schon wieder poste. Wo doch der letzte Post nichtmal 2 Jahre alt ist. Grund dafür ist das übermorgige Eintreffen der deutschen Spiel- und Spaß-Delegation, die sich eine Woche lang durch die schöne Stadt Bonn führen lassen möchte. Ich selbst wohne ja im Stadtteil Lissa-Bonn. 
Doch genug der faden Wortwitze, als ehemaliger Nachlasskanzleimitarbeiter starte ich den folgenden Beitrag mit dem Klassiker: "Ran an Sarg und mitjeweint!"

Während die Post-Überschrift-Relation im letzten Beitrag nicht jedem auf den ersten Blick klar gewesen sein sollte (Geistesblitze nehme ich gerne entgegen), schließe ich in diesem Post sogleich an die Überschrift an. Diese bezieht sich nicht, wie zweifellos ein Großteil der Leser vermuten wird, auf die Wizardrock-Band aus Massachusetts (http://harryandthepotters.com/) und ist auch nicht mit dem Filmklassiker aus der post-barbieren Zeit "Hairy and the Potters" zu verwechseln. 
Nein, sie bezieht sich auf ein portugiesisches Phänomen mit dem schauerlichen Namen ... Brás. Dachte ich jedenfalls bis eben. Eigentlich heißt es Praxe. Spricht man aber fast genauso. Prasch. Man kann es aber auch einfach "The Harry Potters" nennen, und zumindest die portugiesischen Antropologia-Studenten wissen seit Neustem was damit anzufangen. Bei diesem HarryPottersDing handelt es sich um eine Einführungswoche, bei der Erstsemester in das Unileben eingeführt werden sollen, um sich kennenzulernen und viele neue kleine Freunde zu finden. Und wie verbindet man Menschen am besten? Mit Klebeband. Und wenn keines da ist? Durch Leid. Die kleinen Erstsemestler werden also durch sogenannte kleine Spiele und Bestrafungen zusammengeführt. Ausgedacht wird sich das von den Harry Potters aus den höheren Semestern, die ihren Namen aufgrund der hogwartsähnlichen Schuluniformen bekommen haben (auch, wenn ein Großteil die nur in der Praxe-Woche trägt). Die Erstsemestler jeder Fakultät bekommen zu bestimmten Themen Kostüme zugeordnet, in denen sie die Woche über rumlaufen müssen... Aber lange Rede gar kein Sinn, hier ein Kurzfilm, der so ziemlich genau darstellt, was ich in den letzten Tagen gesehen habe (das Video ist an meiner Uni gedreht worden, nur eben älter). 
Es erinnert ein wenig wie ein Ausschnitt aus dem Film "Die Welle":



Als guter relativistischer Sozial- und Kulturanthropologe kann ich mich diesem Initiationsritus gegenüber natürlich in keiner Weise positionieren. Jedoch hat mich diese Massenbewegung tatsächlich ein wenig an "Die Welle" erinnert, und auch die Tatsache, dass mehrere hundert Menschen auf den Ruf Dumbledores (dem Ober-Potter) "ISCTE" mit "ISCTE, conas abertas!" antworten, ist - sagen wir mal - ungewohnt. Die genaue Übersetzung findet man hier http://translate.google.com/#pt|de|conas%20abertas.
Der nachdenkliche, und vor allem nachdenkende (bevor er spricht) Teil in mir steht der ganzen Sache sehr skeptisch gegenüber. Aber der pubertierende Teil ... der findet das schon lustig.

Ich werde diesen Kult weiter verfolgen, irgendetwas muss er an sich haben, da viele der lokal ansässigen Studenten ihn toll finden. Und spätestens seit Adolf Hitler wissen wir ja, dass was die Masse gut findet ... oder auch nicht. Wenn schwarzer Humor braun ist. 

Nun, liebe Leute, heißt es erst einmal Funkstille im Land wo die Hormone schön wohnen. Neues gibt es, sobald Uranus im siebten Haus steht. Dann mit Themen wie: Banana-Chocolate-Chunk-Bombs, wilde Fressorgien und "Sag was dreckiges zu mir! - Küche!"

Auf bald, und haltet die Waage recht, sonst isse nicht mehr waagerecht. (Darf ich mir für diesen grandiosen Einfall kurz selbst auf die Schulter hauen? Danke.)

Sonntag, 18. September 2011

Wie die Billywurst ihr Gesicht bekommt

Teil 1 - Infame Lügen

Zitat "Hier entsteht ein neuer Blogeintrag. Er ist nur noch nicht fertig. Nein, er hat noch nicht einmal angefangen, da ich grade Besuch habe. Aber er wird kommen, bald. Bald = spätestens übermorgen."

Teil 2 - Pezzo di merda

Das war gelogen. Aber egal, hier kann ich nur zum wiederholten Male den alten Gaffer Swanthold, der voller Binsenweisheiten (und Überraschungen) steckte, zitieren: "Erst erleben, dann Schnee fegen." Was er damit wohl gemeint hat...

Ja liebe Leute, was gibt es Neues aus dem Land, wo Titten und Ärsche wackeln? Mein Italienisch hat sich um einiges verbessert. Ich kann nicht nur singen, sondern auch aufs Gratewohl Fremde beschimpfen, Gotteslästerung betreiben und mich danach mit den Worten "Scusami, e solo uno scherzo!" entschuldigen. Noch kommts gut an, wobei die Hälfte der Italiener den inflationären Gebrauch von "Porco dio!" nicht gar so komisch finden. Scusami, e solo uno scherzo! (Warum bringen sie es mir dann bei. Vielleicht waren es welche aus der anderen Fraktion.)
Außerdem zu bieten habe ich ein neues Trinkspiel/lied, was von Schwierigkeitsgrad und Sinnreiche her an beliebte Klassiker wie "Wer fickt wen?" oder "Rundes rundes Arschloch" erinnert. Man gehe nacheinander alle Monate durch, und bei jedem Monat müssen alle, die in diesem Geburtstag haben ihr Glas leeren. Dies begleiten die restlichen elf Zwölftel mit der wiederholten Aufforderung "Bevilo tutto, tutto, tutto!" (auf deutsch ungefähr sowas wie "Ex oder Kelly-Fan!". Wenn dann alle ausgetrunken haben, folgt folgender Gesang, den ich mittlerweile auswendig und akzentfrei (sogar noch im Zustand völliger Trunkenheit [den ich nur für dieses Experiment erreicht habe]) singen kann:

Se l'è bevuto tutto
e non gli ha fatto male,
l'acqua fa male
il vino fa cantare.

Nun werden sich wohl auch die letzten Zweifler eingestehen müssen, dass dieser Auslandsaufenthalt nicht völlig für die Katz ist. (Wobei die tatsächlich auch was davon hat, sie kriegt immer frisches Wasser, auch wenn sie jedes Mal auf die eine Stufe in der Küche pullert.)
Heller die Waldfee! Ich merke grade, dass ich im falschen Blog bin. Voriges sollte für meinen Blog über meinen fiktiven Italienaufenthalt in Genoa sein (der nebenbei bemerkt viel höherfrequentiert besucht wird - an dieser Stelle nochmal Dank an Gianluca für seine konstruktive Kritik an dem Beitrag Was italienische Pimmel und Spirelli gemeinsam haben, der Vergleich war nicht denunzierend gemeint (wenn auch berechtigt)). Naja Wurst, was steht das steht, da hilft nur eins ... rubbeln.

Teil 3  - Warum es hier so langweilig ist



Teil 4 -Trends und andere hippe Sachen

Da mich meine Schwester von Zeit zu Zeit fragt, wie es mir in Spanien so ergeht, hier vorab nochmal die Anmerkung: Portugal, und sie sprechen dort kein Spanisch, sondern Sch'tii. Aber das nur nebenbei.

Nach einmonatiger Feldforschung musste ich feststellen, dass ich der einzige bin, der noch den trendigen Kult der Sandalen zu pflegen scheint. Aus der Mode, wird man mir sagen, alle tragen nurnoch Flip-Flops. Dabei sagt der Name doch schon, dass die ein einziger Flop sind. Man hat ein komisches unangenehmes Bändchen zwischen dem großen und dem Zeigezeh, verliert sie andauernd und kann nichmal gut Fußball damit spielen. Sandalen sind besser für die Füße, lassen Luft und Licht durch, und wegrennen kann man damit auch, wenn man ausversehen einen Gemüsestand umkippt. Es gibt also eigentlich keine logische Erklärung für den aufkeimenden Trend "Flip-Flops - jetzt auch für echte Männer". Naja, ich hoffe und trage sie weiter (ohne Socken). Die Zeit ist wohl noch zu früh für Retro. Aber wenn sie kommt, bin ich der Vorreiter.

Des Weiteren - und jetzt festhalten, mehrere skurile Dinge folgen - bin ich viel häufiger in Berlin, seit dem ich in Lissabon bin. Verrückt, damit hätte wohl keiner gerechnet. Ja, denken sich jetzt alle, wie wird er das wohl erklären, hat ihn ja gar keiner gesehen, und teuer ists ja auch. Nix da, nicht unter der Woche und am Wochenende wenn du so tust als könntest du portugiesisch. Berlin ist (und jetzt kommt die zweite Skurilität) ein kleiner Club im Bairro Alto, in dem ich meine inoffizielle Tätigkeit des Stangentänzers aufgenommen habe (gut, Leuten, die meine Vorgeschichte in diesem Geschäft kennen, wird das vielleicht nicht ganz so sonderbar vorkommen). Ideal, um nach einem erfolgreichen Besäufnis die Puppen tanzen zu lassen, wenn das Theater grad geschlossen hat. Wie kann ich 'n hier Fotos einfügen?
 
Ja, mit Schwung muss man da ran!

Teil 5 - Wer auf dem Klo sitzt, sollte nicht zur Seite kippen oder Eine beschissene Klosituation

Den Wahrheitsgehalt dieses berühmten Sprichwortes können Besucher des Largo do Carmo 18 4E von Montag bis Freitag zwischen 13 und 04 Uhr für den läppischen Preis von 3 Mark 50 an der eigenen Haut erfahren. Kinder zahlen das Doppelte.
Ich habe vorher noch nie diese Erfahrung machen dürfen, aber wenn man auf unserm Klo kackt, wackelts. Nein, das stimmt so (leider) nicht mehr, da gestern jemand kam, um es zu reparieren, weil sich die Nachbarn wohl beschwert hätten, es rumpelte immer so viel bei uns oben. Das stimmt auch nicht, eigentlich fanden sie es bloß nicht gut, dass unser Klowasser den Weg des kürzesten Widerstandes nahm. Durch die Decke in ihre Wohnung. Spießer.
Alles in allem ist aber auch hier oben die Klosituation nicht grade das, was man einen sauberen Schlüpfer nennen würde. Offiziell teilen sich hier sechs Leute mit verschiedenen kulturellen Hintergründen (und ja, das macht sich auch in der Badezimmernutzung bemerkbar, ihr werdet noch sehen. Wenn ich den portugiesischen Schiss kann, dann steppt in Deutschland der Bär) ... jedenfalls ... teilen die sich ein Badezimmer. Offiziell. Zudem kommen die beiden Dauergäste unseres italienischen Mitbewohners Francesco, der Freund meines deutschen Mitbewohners Marius, der quasi eher mal zwischendurch Urlaub in Deutschland macht, als umgekehrt, und diverse Zaungäste, Schmarotzer, Topfgucker, Touristen und Freunde - was uns alles in allem zu der Situation 10 gegen eins (oder sollte man eher sagen 10 auf eins) bringt. Nicht selten kommt es daher vor, dass man ein in der Not abgesetztes Häufchen Notdurft im Flur finden. Der Name kommt ja nicht umsonst daher, dass man das auch mal in der Not durft. Im Portugiesischen heißt das merda em tua cama. Da hört der Spaß dann auf.

Hier bekommt der Titel des Buches Wie ich mich auszog, um den Schlüpfer zu wenden nun endlich eine tiefere Bedeutung.


Da mir mein Arsch eingeschlafen ist, reicht das für den Moment erstmal. Mehr gibt es wie immer bald und zu keinem genauen Zeitpunkt.

Kind Regards
Prof. K. K. Bratze 

Mittwoch, 14. September 2011

Das hat man davon...

... wenn man zu irgendwelchen Kommerz-Erasmus-Clubs gehen will, sich umentscheidet, weils scheiße ist und dann allein nach Hause geht.
So wurde Robin das erste Mal in seinem Leben abgezogen. Hey, es war nur seine Sonnebrille, aber hey, es war SEINE Sonnenbrille! Und sie war kuhl verspiegelt!
Warum kann man in sonen Momenten nicht einfach zuhauen und sagen "Nee man, ist meine"?! Wut!

Morgen geht's zu Benfica-Manchester. Da kann ich das dann rauslassen. Nicht.

Donnerstag, 8. September 2011

Potz Blitz und Donner Lümmel!

Ich bin krank! Und keiner macht mir ne Suppe! 
Sogesehen bin ich noch nicht richtig krank, aber der geneigte Quängler könnte Halsschmerzen nach einer durchzechten Nacht so auslegen. Und da um mich herum alle Leute krank sind/waren/werden wollen, liegt nur nah, dass ich mich diesem Trend unterwerfe. Wie dem Bart-Trend. Unter uns, man kann ihn schon richtig zwiebeln mittlerweile. Es kommt nicht selten vor, dass mich Leute auf der Straße mit den Worten "Darf ich mal anfassen?" dazu bringen missverständlicherweise meinen Hosenstall zu öffnen, um dann festzustellen, dass sie meine Ähnlichkeit mit Bud Spencer meinen. Wenn mein Hat-Nicht-Mehr-In-Den-Koffer-Gepasst-(-Hättest-Du-Halt-Nicht-So-Viele-Pornos-Mitgenommen-.-.-.-Dreckssau-!-)-Paket mit meinem Rasierer ankommt, werde ich ihn wohl erst einmal mit der Schere stutzen müssen, damit sich nicht alles in der Klinge verhakelt.

Ansonsten fühlt sich das Leben hier dieser Tage wie ein neuer Abschnitt im neuen Abschnitt an. So, dass man nicht mehr nur Touri ist, sondern schon Ahnung hat, was im Kiez abgeht, wenn die Homies am Stizzen sind. Ganz besonders stolz bin ich auf die Tatsache, dass (ich einen Bart habe und) mittlerweile genau sehe, wer mir welche Drogen, Kinder oder Spielwaren verkaufen will. Ich kenne meine Dealer. Da reicht ein leicht genervtes Kopfschütteln und im Gegenzug bekommt man einen kuhlen Homie-Spruch auf portugiesisch à la "Jo man Alter, kennst dich hier aus was, hab ich gleich gesehen, wir sind ja soooo ne!" (Zu vermuten, ich hab nie verstanden, was sie wirklich gesagt haben). Neuerdings fangen dann auch Leute in der U-Bahn an, sich einem auf Deutsch mit der plumpen Anmache "Na, wieder nüchtern?" aufzudrängeln. Ein irritiertes "Häh?" ist in diesem Falle wohl Antwort genug. Scheich 'hach Al'hama Scha'la'la kannte ja auch nicht die Namen all seiner Konkubinen. Dreistigkeit ist eben überall zu finden. (Dreist ist übrigens auch, dass sie hier für einen halben Liter Pisse mehr nehmen, als in Deutschland für Bier). Außerdem gibt einem der kleine Zwiebelrest in der mittelmäßig sorgfältig abgewaschenen Müslischale am Morgen doch ein wenig das heimische Gefühl von zuhause.
Ich habe verschiedene Tätigkeiten auf meine To-Do-In-Lissabon-Liste gesetzt (nicht zu verwechseln mit der generellen To-Do-In-Foreign-Cities-Liste, die nun den Punkt "Rolle stocksteif eine abschüssige Straße runter" (Punkt erfüllt, Wäsche gewaschen) enthält), auf die ich jedoch noch nicht weiter eingehen möchte. Irgendwann heißt das noch "Junge, du sollst doch auch studieren!" - Vorsorge ist die bes... achnee, den hatten wir schon. Wie auch immer.

Ich habe Lissabon heute das erste Mal vor um 12 gesehen (den Tag meiner Ankunft ausgenommen) - weil die diesen ganzen Welcome-Shit tatsächlich auf 9.45 angesetzt haben, nur um sich dann in endlos langen Powerpoint-Präsentationen selbst zu huldigen - und ich muss sagen: Das ist so ein bisschen wie's Kunstmuseum. Muss man mal gemacht haben, reicht dann aber auch wieder. Wie gut, dass mein Stundenplan sich mit meinem derzeitigen Lebensstil so wunderbar arrangieren lässt.
Zu guter Letzt möchte ich anmerken, dass wir ein Bidet haben und mir eine Italienerin endlich erklärt hat, wozu das gut ist. Wie umständlich, dachte ich immer, da drin seine Füße zu waschen, wo man doch einfach duschen gehen könnte. Als müsse der Dreck nur nachrutschen. Nein, man kann sogar seinen Schniedel - oder gegebenenfalls seine "Fica" (ital. für Muschi, port. für befindet sich (örtlich)) - waschen. Nach dem Sex, nach dem Kacken, oder einfach zwischendurch, weil er/sie so oft an der Hose rumgeschubbert ist/hat (schubbert man aktiv oder passiv?!), dass er/sie schonmal ins Schwitzen gekommen ist.

Wikipedia sagt dazu: Personen, die nicht mit dem Gebrauch des Bidets vertraut sind, verwechseln dieses meistens mit einem Urinal oder einer Toilette.

Na dann ist's doch klar! Also Folks, ich muss noch Briefmarken sortieren gehen, bevor ich mich - unter dem Vorwand, es lernen zu wollen - von ein paar schicken Italienerinnen bekochen lasse. Ich guck mal auf die Zwiebel, es is halb 7, also ran an die Boulletten!

Montag, 5. September 2011

Ein Tag am Tejo ...

... ist wie ein tittiger Traum transzendenter Tangateilchen. Ist er nicht, aber ich wollte die spontan entstandene Alliteration fortführen. Trotzdem haben der Tag am Tejo und oben genannter Vergleich etwas gemein: beide haben was für sich.

An diesem sonnigen Sonntag (schon wieder eine, ich kanns nichts lassen) nahm ich die Beine in die Hand und schwebte am Tejo entlang. Ausgegangen um Fische zu zählen (detailliertere Informationen über die Fische behalte ich Anne vor), am schmutzig schmatzigem Wasser entlang, Sonne im Nacken und Cornflakes im Bauch - so geht's doch auch. Die Abschnitte des Flusses, die ich passierte, sind allerdings allesamt nicht von, wie könnte man sagen, schöner Gestalt. Touristenüberladen, dreckig oder nicht passierbar (weil Kreuzfahrtschiffe im Weg stehen), sticht (bisher) eigentlich nur eine Stelle wirklich heraus, an der man für eine kurze Weile verweilen kann. Bis aus der kurzen Weile Langeweile wird und man nach einer Weile weiter macht. Dort, wo die alten Männer noch ihre Angeln auswerfen können ... wenn ihr versteht.
Wie ich da so saß, schaute ich den Möwen beim Kacken zu und einem Reiher beim Zählen der Fischbestände (Zitat "1000, 999 ..."). Da fragte ich mich, ob fliegen beim 100sten Mal immernoch so geil ist, wie beim ersten Mal. Also ich mein, wenn man eine Möwe wär. Die flatterten und schwebten dort so vor sich hin, machten kurz ne Pause und flogen dann weiter. Wie flexibel man wär. So reisetechnisch. Die haben ja auch nichts mit, unter dem einen Flügel die Zahnbürste, unterm anderen ein Maschinengewehr und das wars. Wenn man fliegen kann, hat man einfach noch eine Bewegungsdimension mehr. Also klar, wir können springen, aber das zählt ja irgendwie nicht. 
Ist fliegen wie Achterbahnfahren (okay, hier kann ich nur Vermutungen anstellen, da ich noch nie Achterbahn gefahren bin, ist bestimmt wie besoffen nach Hause laufen) oder ist es auch beim 1000sten Mal noch geil? Blöd, dass man die Möwen nicht fragen kann. Dann heirate ich eine Stewardess.

Vor meiner Wohnung hängt die Anleitung zur Herstellung eines Molotovcocktails.

Die Suche nach der Band hat begonnen, es haben sich schon freiwillige Mittäter gemeldet, wir sind jetzt schon Sängerin, Gitarrist und jemand der tanzt, klatscht und mitsummt (gleichzeitig). Vielleicht kann ich nun endlich den Traum meiner imaginären Gefängnisband Die durchgeknallten Knastvögel leben, mit Klassikern wie "Ich bin dann mal duschen", "Walter von der Vögelweide" und "Bück dich, der Wärter kommt!" (Alles im englischen As-Dur). Vielleicht sind wir aber auch einfach nur Angela und seine Schwester. Darüber muss bandintern noch abgestimmt werden. 
News dazu gibt es bald, also schaltet wieder ein, wenn es heißt "Zunge weg, ich furze!"

Ihr
Jonathan Frakes (Leadgitarrist von John and the Frakes)

Sonntag, 4. September 2011

Unick sach noch: "ney lassma!"

Ich habe ja alles versucht. Um hier nüchtern Bericht abzugeben. Aber diese Stadt schafft mich einfach. Drum nun, in allerfeinstem Deutsch, all das, an was ich mich erinner von den letzten Tagen.
Da man mir soeben noch einen leckeren Mojito mit auf den Weg gegeben hat (er meinte, er könne den Drink nicht mit ins Taxi nehmen), werde ich nun bei dessen genüsslichem Verzehr meine Memoiren schreiben. Das hat auch en wenig mit Memorie zu tun (für die, die mit dem Wort nichts anfangen können - jemand erzählt dir, was du getan hast und du schaust in deinem Kopf, ob du das passende Gegenstück findest).
Wat ick sagen sollte. Ich war gestern bei meinem ersten Shooting in Lissabon, und ich bin froh, dass ich nicht gut getroffen wurde. Es kam wie folgend, in einer feuchtfröhlichen Nacht in Bairro Alto, Erasmus Corner (wo alle Erasmusleute immer hingehen wollen, weil sie denken, sie müssen. Nicht fein.): Wir standen da un fröhnten dem wohlgezügelten Alkoholismus, als da die Flaschen geflogen kamen. "F-Hain!", dachte ich noch, als plötzlich alle wegliefen. Es wurde ernst. Ich lief mal lieber mit. Und dann wieder zurück. Am Ende doch wie ein Unfall, man kann nicht wegschauen (Ganz nebenbei, ein paar hübsche Italienerinnen gibt es hier, da kann man auch nicht wegschauen. Mama Mia!). Dann, Schüsse. Drei an der Zahl. Stille. Noch mal drei Schüsse. Ruhe. Ein paar Wagemutige gehen die Straße checken, in der wir eben noch tranken, unter ihnen ein tapferer Recke mit wolligem Haar, der mit dem Schaf tanzt. Nichts mehr zu sehen, außer ein paar Scherben. "Puh!", denk ich noch, "Scherben bringen Glück! Deswegen wurde ich nicht getroffen." Alles in allem kann ich aber sagen, dass ich - trotz meines guten Aussehens - lieber nicht so oft bei Shootings dabei sein möchte.
Was gibt's sonst noch? Hab ich von den hübschen Italienerinnen erzählt? Zu dumm, dass das bisschen italienisch was ich kann sich auf "Wo ist die Damentoilette", "Dummer Arsch" und "Leck mich am Arsch" beschränkt. Und dann verstehen die das nicht mal. Ausländer halt, da muss man einfach Udo Voigt fragen, der regelt das. Noch ein Schluck Mojito (oder wie der geeichte Urlaubsdeutsche sagt: "Modscheido!"), und es folgt Alzheimer Episode 2 - Die Erinnerung kehrt zurück.

Schade, dass mit ihr nicht auch die Motivation. Neues aus dem Bommerland (oh! Bommerland ist abgrebrannt!) gibt's in der nächten Folge von "Meine Muschi muss zum Tierarzt".!