Sonntag, 4. Dezember 2011

5,6,7,8 Bullenstaat!

"Wissen Sie, ihr Gesicht ist wie ein Buch. Man kann es aufschlagen, zuschlagen und immer wieder nachschlagen!"

Was ist da nur los, Gewalt wohin der Knüppel reicht (und er reicht laaaaang)! Es ist schon verrückt! So viel Raub und so viele Schlägereien wie hier habe ich selten in meinem Leben in so kurzer Zeit gesehen, und trotzdem will das Gefühl nicht weichen, dass ich mich hier sicherer fühle, als an den meisten anderen Orten in denen ich war. Armen Erasmus-Studenten werden Sonnenbrillen (manchen gar Handys oder Geld) abgezogen, Taxifahrer verhauen sich gegenseitig mit riesigen Maulschlüsseln, Flaschen und Schüsse fliegen durchs Bairro Alto, und nur wenige Meter neben einem hauen sich zwei Typen die Köpfe an Autoscheiben ein.
Vorgestern war dann der untere Teil von Downtown, wo sich einige Clubs und Bars aneinander reihen, von ca. 100 Polizisten umstellt, manche in Vollmontur mit Skimaske (hihi, Trottel, dabei liegt hier nicht mal Schnee), Maschinengewehr und Schutzhelm, falls Fassade abbröckelt. Da gabs kein Durchkommen. Das spannende an diesen Polizisten war allerdings ihr Vorgehen gegen Zivilisten. Wir standen da gemütlich in einer Gruppe von Menschen, die ich bis auf eine Person nicht kannte, und schauten den Polizisten aus sicheren 20m entfernung beim Stehen zu. Ein Italiener beschwerte sich die ganze Zeit, dass er doch nur Tourist sei, warum sie ihn denn nicht durchließen. Ein anderer, wohl Portugiese, sang den Polizisten lustige Sportlieder entgegen (Ursprung wohl aus der Fan-Szene von Sporting Lisbon gegen die Polizei) und ich muss sagen - ich bin kein Portugallier, aber - textlich waren sie nicht so schlimm. Melodisch auch nicht. 
Irgendwann beschlossen wir dann, den Weg außen herum zu gehen, um unseren Weg fortzusetzen, gingen also um 2 Ecken, um die abgesperrte Straße zu umrunden. Da kamen mir doch 5-6 Polizisten in ebenbesagter Vollmontur entgegen, fahren ihre Totschläger aus und eh ich mich verseh, rennen sie auf die beiden Scherzbolde von vor 5 Minuten los. Einer konnte wegrennen, den anderen schlagen drei! von ihnen nieder, halten ihn auf dem Boden und schreien "Keinen Widerstand!", was ungefähr den gleichen Witz hat, wie wenn ein Elefant auf deinem Rücken die gleichen Worte sagt. Wie auch immer, dem Typen ist am Ende nicht viel passiert, er wurde kurz abgeführt und dann wieder freigelassen. Aber die Tatsache, dass diese Polizisten ihre Stellung aufgegeben haben, um 2 Ecken weiter auf zwei Leute zu warten, die nur gesungen und provoziert haben, fand ich irgendwie erschreckend. Was ist da nur los?

Trotzalledem, vielleicht liegt es daran, dass ich das Gefühl habe alle Gewalt geht nicht gegen mich, sondern die, die sich prügeln wollen oder es provozieren, ich fühle mich immernoch sicher, wenn ich durch die Straßen von Lissabon gehe, was ich bei einigen Berliner Vierteln des Nachtens nicht behaupten könnte.

Wir schreiben mittlerweile den 4. Dezembrio im Jahre 2011 nach Christstollen (ohne Rosinen), noch 2 Wochen bis zu meiner Abreise zum gefühlten Nordpol. Die Zeit der Abschiede beginnt, und - welch bittere Fügung - die Zeit des Man-muss-auch-mal-was-machen bzw. wie man sie im Studentenslang nennt, Prüfungszeit. Allerlei Ferkeleien in deutscher, englischer und anderen ausländischen Sprachen stehen mir bevor, über Indianer, Touristen, Freud und Sex...mais ou menos. Decidi, que continou em português agora, porque ... nao sei porque, talvez só pra impressionar a gente que nao pode perceber. 

Na sexta-feira tenho uma apresentacao (desculpe, nao tenho as letras que sao típico pra o portugues, por isso, escreve sem estas) no portugues. Tenho de falar 7 minutos sobre alguma coisa - o que, posso decidir. Estou um pouco nervoso, porque é ainda difícil falar. nao falo muitas vezes portugues (é um problema do erasmus). mas tenho uma ideia sobre o que pude falar. entao...vou voltar a alemao.

Das heißt für mich jedenfalls jetzt erstmal kotzen, nicht käckern! (meine ell-taste ist kaputt). Was ich jetzt auch mal tun werde!

Guten Schi/üss!

PS: Ich hab ja voll vergessen, heut ist zweiter Advent und den muss man latürnich mit einem frohen "Froher zweiter Advent!" einleiten! Hiermit sei dies getan, Sie können anfangen Ihren zweiten Advent zu zelebrieren. Ich wurde auch schon zum Plätzchen backen animiert. Falsch! Ich sollte animiert werden (heutzutage wird ja wirklich alles animiert...), die Grafikdesigner haben allerdings geschlampt, so dass ich keine Plätzchen backe und stattdessen Blog schreibe, meine Dozenten per I-Mehl belästige "Ahh, ich bin Erasmus, wir müssen was machen? Achsooo! Das wusst ich ja nicht, bei uns in Deutschland läuft das anders. Wie, der Tanz genügt Ihnen nicht, na hören Sie mal, ich hab da 2 Stunden dran gefeilt!" und mein Buch zuende lese (damit ich das nächste anfangen kann). Es ist ein beschaulicher Sonntag, an dem keine Sonne scheint, so dass man sich nicht allzu stark versucht fühlt den heimischen 13 Wänden (ohne Fußboden, mit Decke) zu entfliehen. Die halbe Wohnung ist wie leergefegt, schon seit einer Woche, kein Wunder, Dienstag war die Putzfrau da.
Die Vermieterin, mit der mittlerweile eine Art Waffenstillstand herrscht, ist ... weg. Die Brasilianerin, von der keiner nie weiß wo sie nicht ist, ist ... weg (das heißt Heizung füüüüür mich!). Der Italiener ist depressiv, weil er Probleme mit seinem Freund hat, die beiden deutschen haben die ganze Zeit Sex in ihrem Zimmer und gucken "Bauer sucht Frau" und Rachel und ich sind die einzigen Überlebenden. Doch so gern ich die Heizung auch habe, irgendwie vermisst man Juliana, die seltsamste Brasilianerin der Welt doch. Sie prägte unter anderem den Wettbewerb der "Julie der Woche", bei dem die skurilste Anwandlung von alltäglichem Leben ausgezeichnet wurde.
Klassiker, wie "Hm, we don't have baking paper anymore, can I use this? - No, Juliana, toilet paper burns in the oven!", "I have a problem! I don't have enough space for my yoghurt in the fridge! - Look, just turn it 90° and tadaaa! - Oh! Thank you!" oder "My bread didnt fit in the toaster, so I pushed it with a knife. And now it's not working anymore! - -.-" werden unvergesslich bleiben. Ebenso das unerklärliche Seife mit dem Brotmesser schneiden, den Schlüssel wöchentlich von außen! in der Tür vergessen und vieles mehr. Zum Glück gibt es noch Francesco, der allenthalben meint irgendetwas sei kaputt. Wenn das Wasser einmal nicht abfließt, machen wir einfach noch mehr Rohrreiniger rein, wenn die Waschmaschine etwas länger braucht um sich zu entschließen zu Schleudern, ist sie kaputt, wenn eine Woche um ist, dann ist das Gas alle, egal ob alles noch funktioniert. Jaja, die beiden haben uns viel Freude bescherrt und wenn man mich einst mit einem dicken Grinsen vor sich hinstarren sieht, dann denke ich an sie (oder daran, wie Vilip in unseren Flur gepullert hat).

PS - Ende

Montag, 28. November 2011

Breakfast at ... the Riverside

Guten Morgen liebe Gemeinde,
lang ist es her, dass der liebe Vater Tom gepredigt hat, zum einen der Zeit, zum anderen der Vergesslichkeit, zum wieder anderen der Auswahl der Themen wegen. Doch an diesem wunderschönen Morgen möchte ich meine gute Laune (Gudä LaunäääääääÄ!) mit euch teilen, liebe Gemeinde und nach einem Sonnenaufgangs-Frühstück am Tejo dieses Video empfehlen, was einfach nur ... schön ist. 



Doch was hat er getrieben, in all der Zwischenzeit, zwischen Zeit und Raum, Raum suchend, suchend und findend? Wenn er das noch wüsste, liebe Gemeinde, dann hätte es ja auch Blog-Einträge gegeben. Geprägt war die Zeit von guten, wie von schlechten Tagen, Sonnenschein und Regen, kulinarischen Genüssen aus Japan, China, Italien (überall, nur nicht Portugal(l)), Liebe, Lust und Leidenschaft und einem Haufen nichtssagender Beschreibungen der letzten Tage. 
Heute Morgen hab ich von meinem Neffen geträumt. Im Traum waren es sogar zwei, und sie waren drei. Jahre alt. Und just in dem Moment, als ich ihnen ihr erstes englisches Wort (ugly) beibringen wollte, wurde ich von einem Weck-Anruf zum Sonnenaufgang schauen und Frühstück essen am Fluss (der wohlbemerkt so nebelüberzogen war, dass man nur ein langsam heller werdendes etwas sehen konnte, was sich Tag nannte), ... jedenfalls als ich meinen Neffen grade Englisch lehren wollte, wurde ich geweckt. Und startete mit einem guten Gefühl in den Tag. Wenn man an Kinder denkt und ein gutes Gefühl hat, merkt man, dass man alt geworden ist. Oder pädophil. 

Wir schreiben den 28. November, der erste Tag wohlbemerkt seit langem, an dem ich vor um 8 aufgestanden bin. Nunmehr 3 Monate und 10 Tage bin ich schon auf Irrwegen, Umwegen, Auswegen und Vonwegen(s) unterwegs. 3 Monate und 10 Tage, die mich die meiste Zeit sehr glücklich gemacht haben und eine der besten Entscheidungen waren, die ich in den letzten 35 Jahren getroffen habe. Ich hab mich während meiner Schulzeit nie getraut für längere Zeit ins Ausland zu verschwinden, weil ich mir nicht vorstellen konnte so lange ohne die geliebten Menschen zu leben, die ich zuhause lassen würde. Dann ging ich nach Halle und stellte fest, dass es irgendwie doch geht, auch wenn man sich nur selten sieht. Vielleicht war es dieser Zwischenstop, der nötig war, um endlich losgehen zu können, aber so ich hier sitze und den portugiesischen Bauarbeitern zuhöre (was sie schreien ist mit unklar, aber es wird wohl sowas sein wie "Achiiiiim, ist der Putz schon dran?") muss ich sagen, dass es das ist, was mich glücklich macht und was richtig scheint. Auch nachdem die erste Zeit des Alles-ist-neu, Boah-Leute-von-überall, Ich-denke-da-machen-wir-eine-fette-fette-Party vorbei ist, erfüllt mich das Leben hier immernoch mit so viel Glück und Freude. In diesem Sinne das schon lange geplante und längst überfällige:

"Liebe Freunde, liebe Familie,
ich danke der Academy und dem Blumenkohlmann. All jenen, die mich unterstützt haben, in dem was ich tue und jenen, die es immernoch tun. Ich danke meiner Mama für die Fleece-Decke und die Lebkuchen, die sie mir geschickt hat, meine Papa für sein eifriges Tan-Nummern-Streichen, meiner großen großen Schwester für die Bilder von meinem Neffen (und dass sie ihn 9 Monate mit sich herum getragen hat) und meiner großen kleinen Schwester für die erbaulichen Gespräche über Frauen, Sex und übermäßigen Alkoholkonsum zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ich danke dem Erfinder der Pastéis de Nata und der Schokoduftkerzen, sowie der Gemüsefrau von unten für ihre günstigen Preise, mit der Gewissheit, dass sie alle es lesen werden. Auch wenn ich - bis auf eine - noch keine Postkarten verschickt habe, ich denke oft dran und schon die Hebamme sagte bei meiner Geburt zu meinem Vater: 'Der gute Wille zählt!'
Ich danke all den übrig gebliebenen, neu dazugekommenden und auch denen, die es (noch) nicht sind, Lesern dieses leidlich geführten Blogs, Kacke auf mein Haupt!

In diesem Sinne: Prost!"

So....dit wär dit.
...
...

...
Mein Portugallisch, so muss ich mit stolz geschwellter Brust zugeben, wird tatsächlich besser, auch wenn ich mich nicht unter die Top-50 der Lern-Motivierten zählen würde, aber im nationalen Ranking derjenigen, die vorher keine Ahnung von Schtii hatten, bin ich unter den vorderen 99% (vielleicht habt ihr von uns gehört, wir rennen neuerdings mit Plakaten durch die halbe Welt). Am Freitag werde ich eine zusätzliche Stunde Sprachkurs bei der Freundin eines Freundes nehmen (die Portugallierin ist), die erste Stunde umsonst (Schnäppchernjäger aus Leidenschaft!) und ihre Gruppe aufmischen. Imponiert habe ich ihr durch die spontane Kreation eigener Beleidigungs-Kompositionen mittels der einfachen Verknüpfung von Wörtern wie "Pastete", "Mutter" oder "Stockfisch" mit "Kacke". Ihr Pastéis da merda de Belém! Aber auch das Fluchen, Flirten und Beleidigen in anderen Sprachen geht voran, so dass meinem Leben als Weltenbummler nichts mehr im Wege steht (außer Mutti).
Nächstes Ziel nach dem Portugiesischen ist derzeit italienisch zu lernen. Aber das ändert sich stetig, war schon spanisch, französisch und holländisch, wir werden also sehen. Ich werde über Änderungen berichten. Auch die Musiker-Karriere geht voran. Alessandro, ein Freund hier, und ich haben letztens unseren ersten Euro verdient, als wir in der U-Bahn aufhörten zu singen und uns auf 2-Akkord-Instrumental-Musik beschränkten. (An dieser Stelle nochmal ein herzliches Danke an Rachel, die mit der Entleerung ihres Kupfergeldes auf unsere Gitarrentasche sicherlich Vorbild für alle war). Zeitlich und vor allem wetterbedingt kommen wir nicht häufig dazu zu spielen, doch ist dieser erste Schritt in Richtung einer Rock'n'Roll-Superstar-Karriere nun endlich getan. Groupies können erleichtert aufatmen.

Soooo, der Onkel hat morgen eine Präsentation und noch 20 Seiten portugälischen Text vor sich. Zum Glück hat Morgenstund Gold im Mund, das werd ich zur Bestechung der Jury bitter nötig haben.
In diesem Sinne einen frohen ersten Advent nachträglich und denkt immer daran, nur wenn ihr fleißig seid, schüttelt Frau Holle die Kissen (und den Jungs einen von der Palme)!

Macht's gut!

Sonntag, 13. November 2011

What I will never forget...

... ist der Junge, der auf dem Largo do Carmo einen Blowjob bekommen hat. Dieser Eintrag entsteht nach einer Pub-Nacht um 6 uhr morgens und ist actually (weil ich das Wort mag hier in Englisch) mehr eine Art Tagebucheintrag für mich, als für die Augen meiner jugendlichen Leser bestimmt. Die Stimmung unterstreichend regnet es grad wie Hölle. Das dazu passende Gewitter hat grad in einem Abstand von 0,38 Sekunden Donner auf Blitz folgen lassen, was mich schließen lässt, dass ich nur ganz knapp verfehlt wurde. Arme Nachbarn.
Ja, actually bin ich grad ein wenig betrunken und müde, was heißt, dass ich mich Kurt fassen mussen. Also Kurt, los!

Die letzten Tage bestanden daraus nach ewigem Hin und Her (was zum, jemand macht sich in der Küche grad was zu essen) zu irgendwelchen Partys zu gehen, die bevor man sie erreichte von der Polizei aufgelöst wurden, von denen man runtergeschmissen wurde, weils die falsche Party war (ups, falsches Stockwerk) oder die kurz nachdem man ankam von der Polizei aufgelöst wurde. Die machen ja viel mit hier, die Polizisten, aber Partys scheinen die nicht zu mögen. Wie auch immer, das nur nebenbei.

Da dies ein einfacher fauler Tagebucheintrag ist, halt ich hier nur für mich folgende Begriffe und einen Satz fest: Largo do Carmo, Gitarre, Alessandro, Yann. Und vergiss niemals den Jungen, der auf deinem Platz einen Blowjob im Regen bekommen hat.

Ich grüße meine Eltern!

Freitag, 11. November 2011

There is no but, but ...

Morgens halb 10 in Lissabon - der geneigte Leser wird sich wundern, warum der Autor noch wach ist, doch er irrt sich. Nicht das noch spielt hier die erste Geige, nein, es ist Chrischan. Dieser Witz macht natürlich nur Sinn, wenn man weiß, dass Chrischan Geige spielt. Alle die es nicht wissen, fangen nochmal von vorn an und lesen nach dem "nein," direkt hier weiter. Hier: es ist das schon. Doch was im ersten Moment wie der gute Vorsatz eines Lebenswandels aussieht, ist in Wahrheit nicht mehr als .... eine Bohrmaschine. Ich dachte, ich lebe mit Verrückten zusammen, doch was die Leute aus dem Haus gegenüber meines sowohl wetter-, als auch lautstärketechnisch schlecht isolierten Fensters betreiben, übersteigt jegliche Gimon-Skala* (*Gimon-Skala: Maß der Verrücktheit). Noch nie in der Geschichte der Sanierungsarbeiten habe ich von Leuten gehört, die versuchen ein Haus mit einer einzigen Bohrmaschine abzureißen. Loch für Loch. Doch das und nicht weniger scheint das Ziel der eifrigen marokkanischen Schwarzarbeiter zu sein, die in regelmäßigen Abständen meine (gemessen an der Schlafen-geh-Zeit) Mitternachts-Tiefschlaf-Phase stören. Hier zeigt sich, dass nicht nur die Putzfrau eine Kehrseite hat, wenn ich mir diesen neuerlichen Wortwitz erlauben darf, sondern auch die Abschaffung der Wehrpflicht, da man sich Ohropax nun in der Apotheke besorgen muss. Portugiesisches Klopapier hat jedenfalls nicht die selbe Wirkung. 
Doch Retter in der Not und damit hier nach Chrischan, Gimon, den Marokkanern und der Putzfrau erwähnt, sind Dine und Frännie mit ihrem wunderbaren MP3-Player* (moderne Form des Walkmans) und der darauf befindlichen elektronischen Reggae-Musik, die meine wunden Ohren nun mit den sanften Off-Beats ihres Genres zu heilen versucht. Zutiefst zum Dank verpflichtet, werde ich ihnen zu Ehren eine Flasche Wein trinken. Jetzt brauche ich nur noch eine Jahrespackung Batterien und das Jahr ist gerettet - bis zur nächsten Mäkeltour. Womit ich auch schon den heutigen Beitrag einleite ...

There is no but, but ...

... wer schön sein will, muss leiden. Das gilt auch für die, die es schon sind, so durfte ich hier zum wiederholten Male feststellen. Die - temporäre - Bereinigung der Akte Bohrmaschine ist nicht der erste Fall, der meine Schlüpfergummis und Nerven der Zerreißprobe unterzieht. Ich wohne eindeutig in einem Sommerhaus. Die Schönheit, die Lage, der ruhige, bebaumte Platz vor dem Haus, auf dem man in lauen Sommernächten sein Abendbrot vertilgen kann, der stilvoll designte Alte-Haus-Stil - das alles macht im regnerisch, nass-kalten Winter Lissabons so viel Spaß wie [random unlustiger Vergleich]. Einziger Trost ist da die Hoffnung, dass es nicht kälter und nicht nässer wird, man also mittlerweile weiß, auf was man sich einstellen muss. Um eine kurze Lagebeschreibung zu geben, fange ich diesen Beitrag nochmal von vorn an:
Hallo Freunde, hier bin ich wieder! Also, was gibt es Neues aus dem Land, in dem Außentemperatur gleich Zimmertemperatur ist, die Wäsche nicht mehr trocknet und Waschmaschine, Kühlschrank, mobile Heizkörper und alles was ne Spule hat über eine Sicherung läuft?

Nachdem ich das Kälteproblem, was sich in der Art ausdrückte, dass ich vergaß, was warme Füße waren, beseitigt hatte, indem ich einen Satz mit vielen Kommata schrieb und den mobilen 1000 Watt Heizkörper (von führenden Elektrofachleuten mit dem Siegel "Jeder Wasserkocher hat mehr" beklebt) in mein Zimmer geholt hatte, so dass ich, wenn sich das Zimmer schon nicht zur Gänze auf gesunde 22,3°C Raumtemperatur aufheizen lassen wollte, wenigstens meine Socken vor dem Schlafen gehen aufwärmen konnte, schrieb ich ich einen Satz, der immernoch nicht zu Ende ist und wirklich viele Kommata hat und bekam das Elektro-Problem.
Die von uns hinter ihrem Rücken mit einem "Du hast wohl n Vogel" abgetane Vorschrift unserer Vermieterin bitte keine Heizkörper zu benutzen, da diese das Stromnetz überlasten, hatte einen Funken Wahrheit in sich. Dies durften wir nach der gemeinsamen Nicht-Beachtung dieser Regel feststellen, da dieser Tage jeden Abend 2-3 Mal die Sicherung rausspringt. Zumeist zu der Zeit, wo einer den Ofen benutzt, der zweite sein Handtuch im Bad während des Duschens vorheizt, der dritte sich die Haare föhnt, der vierte seine Wäsche wäscht, der fünfte sein Zimmer heizt und der sechste ... ihr versteht? Ist eben nicht alles nach DIN.

Ich habe soeben beschlossen nochmal zu versuchen ne Stunde Schlaf zu kriegen, und die weiteren Themen wie immer zu verschieben. Aber schon die dicke Frau auf dem Boden wusste: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben". Geholfen hat es ihr allerdings auch nichts.
In der nächsten Folge also diese Themen: "Was ich das letzte Mal angekündigt habe und doch nicht erzählte", "Schlechte Wortwitze" und der Petition an die Lissaboner Behörde für Trunkenheit am Steuer "Gebt der Putzfrau ihren Lappen wieder, wie soll die denn sonst arbeiten!"

Freitag, 28. Oktober 2011

This is, what they call Saudade ...

Manchmal ist das Leben wahrlich seltsam. Oder ist es nur meins? Da lebt man sein schönes Leben im mittlerweile windig-regnerischen Lissabon, ohne groß an daheim zu denken, sieht nach mehr als zwei Monaten im Fernsehen jemanden ein Becks trinken und ein seltsam wärmendes Gefühl von Zuhause, aufwallende Erinnerungen feuchtfröhlicher Abende und die unbändige Sehnsucht nach einem kühlen Bier* überfallen einen völlig unvorbereitet. Bei aller Schönheit Lissabons, aber dieser Moment hat mir gezeigt wo mein Herz schlägt. 
 
*Bier: Ein nach dem deutschen Reinheitsgebot gebrautes alkoholisches Kaltgetränk aus Hopfen, Malz und Wasser. Nicht zu verwechseln mit Sagres oder Superbock.

Mehr von diesem Kanal wie immer aufgeschoben aber nicht aufgehoben, dann mir diesen Themen: Brötchen-Robin (lass es endlich bleiben!), Gesund leben mit Sarrazins Speiseplan und: Die seltsamsten Mitbewohner Teil 3 - wo Pragmatismus aufhört, macht sich Wahnsinn erst warm. (Es fehlt nur die passende Fotocollage)

Freitag, 14. Oktober 2011

"Wie, es gefällt Ihnen nicht? Wie auch, ich erkläre Ihnen das Leben!"

Auszug aus  "Mein Leben in Lissabon - Ein Fall von gutem Einfall": "Es ist Mitte Oktober und warm wie Kacke. Die Kinder laufen nackig durch die Straßen, weil sie ihre Kleider gegen Ventilatoren und kaltes Wasser getauscht haben. Leute beklagen sich über den Sonnenbrand von letzter Nacht, die Vögel fliegen nach Afrika, weils dort wenigstens nachts kalt ist. Wir müssen alle sparen, mit offenem Kühlschrank schlafen ist wohl wirklich nur eine Übergangslösung. Die Energiekosten treiben uns in den Ruin, dabei hab ich sogar schon die Lampe rausgedreht. Hilft alles nichts. Die Nachbarn haben vorgeschlagen, ich könnte mich ja als Schweißer verdingen - bei der Transpirationsrate, die ich hab! Werd wohl demnächst meine Bewerbung schreiben. Wie auch immer, ich geh jetzt erstmal ein Eis trinken."

Als ich letztens von den Harry Potters berichtet habe, habe ich meinen schönen Witz vergessen, den nicht niederzuschreiben ich als Kunstbanauserie ansehen würde. Ich erzähle die Geschichte also einfach nochmal, nur diesmal mit dem Witz.
Also bei uns in der Schule gibts ja diese Harry Potters, das sind Studenten [...] und die Jungs tragen sogar einen Zauberstab ... wenn ihr versteht wat isch meine [Regieanweisung: Dreckige Horst-Schlemmer-Lache] [...]
So. Dit wär dit. Kam jetzt vielleicht nicht mehr ganz so an, aber losgeworden bin ich ihn trotzdem noch. Mal schaun, was hab ich noch ... Seitdem ich mein kleines Ideen-Notiz-Buch für "Sachen die man mal erfinden sollte, gemacht haben sollte oder im Blog erzählen könnte" immer zuhause vergesse, verschwinden meine grandiosen Einfälle irgendwo zwischen Handynotizen, Vorlesungsmitschriften und auf den Unterarmen nichtsahnender Metro-Mitfahrer ... Hier hab ich noch eine Ecke gefunden, die in Antropologia da India entstand ... was steht da ... + Chrischan anrufen + fragen nach Imagem-Arbeit + Carlos schreiben + mudar - ändern (geht auch modificar o. alterar) + Erfindung des nichtsspritzenden Pissoirs + Ein Zitat für einen Film, was jetzt zu lang wär + Die Aufforderung alle Handynummern nochmal auf dem Rechner zu sichern, falls mir mein Handy abgezogen wird + Idee zur Gestaltung einer Kollektion von Bildern mit der Überschrift "Wenn ... aus lauter kleinen Männchen bestehen würde, würdest du es immernoch genauso behandeln?"
Wie man sieht, ich bin nicht untätig in den Stunden. Falls ich innerhalb des nächsten Jahres von einer generellen global angelegten Kloschüsselumstellung auf Herrentoiletten höre, gibt es - nur nebenbei bemerkt - Tote! Gleiches gilt, wenn ich im Spiegel plötzlich eine neue Bildreihe finde. Nur, weil ich meine Ideen nicht umsetze, heißt es nicht, dass ein anderer das machen darf ... jedenfalls nicht ohne Gewinnbeteiligung.

Nun eine breit angelegte Bitte an alle übrig gebliebenen Leser: Ich brauche ein gutes ... nein, perfektes Cookierezept! Eins, bei dem die Cookies schmecken, und trotzdem nicht im Ofen zerlaufen, sondern die Form von den Starbucks-Cookies haben. Geschmacklich können sie variieren, Kombinationsideen bisher sind die berühmtberüchtigen Banana-Chocolate-Chunks (aus Banane und Schokolade), der einzigartige Kokos-Schoko-Cookie (aus Kokos und Schokolade), sowie der etwas kleinere Kids-Cookie (aus Kinde...aus Smarties...nur aus Smarties!!!!!!).
Da mir zum wiederholten Male bestätigt wurde, dass ich nicht singen kann, steh ich nun da - bzw. besser gesagt steh ich nichtmehr da, mit der Gitarre in der Hand - und plane um. Der Plan ist ... nein, anders:
Wir kennen das ja alle, irgendwann um 1 oder 2 Uhr nachts stehen wir im Bairro Alto, 2 8 im Turm, ordentlich ein hinter die Binde gekippt, und wir haben Hunger. Pingo Doce (der Supermarkt) hat zu, McDonalds ist scheiße, Eierkuchen-Lothar fährt nicht mehr und dass die Portugiesen was Fast-Food angebelangt die Holländer unter den WM-Siegern sind ist allgemein bekannt. Wie wären wir dran, wenn es da nicht diese Snack-Oma in der Rua Atalaia gäbe. Für einen Euro verkauft sie Sachen, deren Namen niemand kennt, deren Inhalt niemand kennen möchte und deren Geschmack unvergesslich bleibt - und das alles für ... wir erinnern uns an die McDonaldswerbung (dies ist keine Werbesendung, es gibt auch BurgerKing, KFC, Heavens Burger, Subway ...): Wat kostet ein Schießbürger? - Ein EurooooO!
Habt ihr die Marktlücke entdeckt? Eine Oma, auf mehrere tausend Menschen, sie verkauft Hauptspeise, aber nicht Dessert: Hier kommt Cookie-Carsten (Name geändert) ins Spiel! "Wo andere nur saufen, tut er Cookies verkaufen!" Das einzige, was er dafür noch benötigt, ist das perfekte Cookierezept! (Meins hat ein Hund gefressen...)

Nach wiederholter Nachfrage, wie viel ich denn schon in den Vorlesungen verstehe, einem Haufen Kommentaren wie "Hm, naja ist ja nicht so gut, ne?" hier ein Ausschnitt aus der Vorlesung Antropologie e Psicánalise - der Ausschnitt, den ich verstanden habe (Synchronübersetzt):

Kann sein später ... Techniken, die wir schon hatten ... nicht bestätigt ... sehr viel komplexer ... sehr wichtige Wissenschaft ... wir können Wissenschaft schnell ... verschiedene Pläne ... verschiedene Qualitäten ... z.B. wissen wir, dass ... Physik produziert ... besser als jene von anderen ... Haben das alle verstanden? ... mehr ... Ich kann nicht ... Physik ... natürlich ... Haben das alle verstanden? ... biologische Namen, aber diese sind nicht ausreichend/genügend ... alles klar? ... sehr wichtig, sehr interessant ... die letzten zwei Nummern ... über Freud ... aber ... eine Sache ... Kokain ... Kokain ... Jones ... eine Person ... Kokain ... wiederholt ... Freud über lange Zeit Kokain ... interessant ... Einfüsse des Kokains ... war sehr sehr sehr ... Deswegen sagte Freud schnell ... wie sagt man? ... Wir sind Tiere ...

Was ich zudem aus dieser Vorlesung mitgenommen habe, ist eine aus kulturanthropologischer, aber auch kulinarischer Sicht durchaus sinnvolle Erkenntnis (einem Schaubild entnommen): Es gibt keine höherwertigen oder minderwertigen Kulturen. Wir sind alle Nudeln."

Mittlerweile verstehe ich zwar mehr, aber die "..." kommen noch zu häufig vor, insbesondere bei verschiedenen kleineren Wörtern, wie Präpositionen. Und die können manchmal durchaus wertvoll sein. Das erinnert mich an "'Komm wir essen Opa!' - Satzzeichen können Leben retten!"


Das wars für heute, hier nur noch eine Frage mit auf den Weg: Was wäre wohl passiert, wenn Hänsel Diabetiker gewesen wäre?

Mehr gibt es wie immer auf Nachfrage oder in 10 Jahren erhältlich in meinem Bestseller über das Leben nach der Schule "Lange gebraucht und doch was draus geworden - Meine Suche nach dem Sinn des Lebens. Ein Ratgeber für ratlose Jugendliche und ängstliche Eltern."

Mittwoch, 28. September 2011

Harry and the Potters

Diesen Beitrag widme ich Neville Longbottom - weil er ja sonst nichts hat.

Nicht geplant, und doch gemacht! Das haben meine Eltern dem Arzt vor 23 Jahren auch gesagt. In diesem Fall bezieht sich der vor allem in der Underground-Szene Inkontinenzia beliebte Satz allerdings nur auf die Tatsache, dass ich schon wieder poste. Wo doch der letzte Post nichtmal 2 Jahre alt ist. Grund dafür ist das übermorgige Eintreffen der deutschen Spiel- und Spaß-Delegation, die sich eine Woche lang durch die schöne Stadt Bonn führen lassen möchte. Ich selbst wohne ja im Stadtteil Lissa-Bonn. 
Doch genug der faden Wortwitze, als ehemaliger Nachlasskanzleimitarbeiter starte ich den folgenden Beitrag mit dem Klassiker: "Ran an Sarg und mitjeweint!"

Während die Post-Überschrift-Relation im letzten Beitrag nicht jedem auf den ersten Blick klar gewesen sein sollte (Geistesblitze nehme ich gerne entgegen), schließe ich in diesem Post sogleich an die Überschrift an. Diese bezieht sich nicht, wie zweifellos ein Großteil der Leser vermuten wird, auf die Wizardrock-Band aus Massachusetts (http://harryandthepotters.com/) und ist auch nicht mit dem Filmklassiker aus der post-barbieren Zeit "Hairy and the Potters" zu verwechseln. 
Nein, sie bezieht sich auf ein portugiesisches Phänomen mit dem schauerlichen Namen ... Brás. Dachte ich jedenfalls bis eben. Eigentlich heißt es Praxe. Spricht man aber fast genauso. Prasch. Man kann es aber auch einfach "The Harry Potters" nennen, und zumindest die portugiesischen Antropologia-Studenten wissen seit Neustem was damit anzufangen. Bei diesem HarryPottersDing handelt es sich um eine Einführungswoche, bei der Erstsemester in das Unileben eingeführt werden sollen, um sich kennenzulernen und viele neue kleine Freunde zu finden. Und wie verbindet man Menschen am besten? Mit Klebeband. Und wenn keines da ist? Durch Leid. Die kleinen Erstsemestler werden also durch sogenannte kleine Spiele und Bestrafungen zusammengeführt. Ausgedacht wird sich das von den Harry Potters aus den höheren Semestern, die ihren Namen aufgrund der hogwartsähnlichen Schuluniformen bekommen haben (auch, wenn ein Großteil die nur in der Praxe-Woche trägt). Die Erstsemestler jeder Fakultät bekommen zu bestimmten Themen Kostüme zugeordnet, in denen sie die Woche über rumlaufen müssen... Aber lange Rede gar kein Sinn, hier ein Kurzfilm, der so ziemlich genau darstellt, was ich in den letzten Tagen gesehen habe (das Video ist an meiner Uni gedreht worden, nur eben älter). 
Es erinnert ein wenig wie ein Ausschnitt aus dem Film "Die Welle":



Als guter relativistischer Sozial- und Kulturanthropologe kann ich mich diesem Initiationsritus gegenüber natürlich in keiner Weise positionieren. Jedoch hat mich diese Massenbewegung tatsächlich ein wenig an "Die Welle" erinnert, und auch die Tatsache, dass mehrere hundert Menschen auf den Ruf Dumbledores (dem Ober-Potter) "ISCTE" mit "ISCTE, conas abertas!" antworten, ist - sagen wir mal - ungewohnt. Die genaue Übersetzung findet man hier http://translate.google.com/#pt|de|conas%20abertas.
Der nachdenkliche, und vor allem nachdenkende (bevor er spricht) Teil in mir steht der ganzen Sache sehr skeptisch gegenüber. Aber der pubertierende Teil ... der findet das schon lustig.

Ich werde diesen Kult weiter verfolgen, irgendetwas muss er an sich haben, da viele der lokal ansässigen Studenten ihn toll finden. Und spätestens seit Adolf Hitler wissen wir ja, dass was die Masse gut findet ... oder auch nicht. Wenn schwarzer Humor braun ist. 

Nun, liebe Leute, heißt es erst einmal Funkstille im Land wo die Hormone schön wohnen. Neues gibt es, sobald Uranus im siebten Haus steht. Dann mit Themen wie: Banana-Chocolate-Chunk-Bombs, wilde Fressorgien und "Sag was dreckiges zu mir! - Küche!"

Auf bald, und haltet die Waage recht, sonst isse nicht mehr waagerecht. (Darf ich mir für diesen grandiosen Einfall kurz selbst auf die Schulter hauen? Danke.)

Sonntag, 18. September 2011

Wie die Billywurst ihr Gesicht bekommt

Teil 1 - Infame Lügen

Zitat "Hier entsteht ein neuer Blogeintrag. Er ist nur noch nicht fertig. Nein, er hat noch nicht einmal angefangen, da ich grade Besuch habe. Aber er wird kommen, bald. Bald = spätestens übermorgen."

Teil 2 - Pezzo di merda

Das war gelogen. Aber egal, hier kann ich nur zum wiederholten Male den alten Gaffer Swanthold, der voller Binsenweisheiten (und Überraschungen) steckte, zitieren: "Erst erleben, dann Schnee fegen." Was er damit wohl gemeint hat...

Ja liebe Leute, was gibt es Neues aus dem Land, wo Titten und Ärsche wackeln? Mein Italienisch hat sich um einiges verbessert. Ich kann nicht nur singen, sondern auch aufs Gratewohl Fremde beschimpfen, Gotteslästerung betreiben und mich danach mit den Worten "Scusami, e solo uno scherzo!" entschuldigen. Noch kommts gut an, wobei die Hälfte der Italiener den inflationären Gebrauch von "Porco dio!" nicht gar so komisch finden. Scusami, e solo uno scherzo! (Warum bringen sie es mir dann bei. Vielleicht waren es welche aus der anderen Fraktion.)
Außerdem zu bieten habe ich ein neues Trinkspiel/lied, was von Schwierigkeitsgrad und Sinnreiche her an beliebte Klassiker wie "Wer fickt wen?" oder "Rundes rundes Arschloch" erinnert. Man gehe nacheinander alle Monate durch, und bei jedem Monat müssen alle, die in diesem Geburtstag haben ihr Glas leeren. Dies begleiten die restlichen elf Zwölftel mit der wiederholten Aufforderung "Bevilo tutto, tutto, tutto!" (auf deutsch ungefähr sowas wie "Ex oder Kelly-Fan!". Wenn dann alle ausgetrunken haben, folgt folgender Gesang, den ich mittlerweile auswendig und akzentfrei (sogar noch im Zustand völliger Trunkenheit [den ich nur für dieses Experiment erreicht habe]) singen kann:

Se l'è bevuto tutto
e non gli ha fatto male,
l'acqua fa male
il vino fa cantare.

Nun werden sich wohl auch die letzten Zweifler eingestehen müssen, dass dieser Auslandsaufenthalt nicht völlig für die Katz ist. (Wobei die tatsächlich auch was davon hat, sie kriegt immer frisches Wasser, auch wenn sie jedes Mal auf die eine Stufe in der Küche pullert.)
Heller die Waldfee! Ich merke grade, dass ich im falschen Blog bin. Voriges sollte für meinen Blog über meinen fiktiven Italienaufenthalt in Genoa sein (der nebenbei bemerkt viel höherfrequentiert besucht wird - an dieser Stelle nochmal Dank an Gianluca für seine konstruktive Kritik an dem Beitrag Was italienische Pimmel und Spirelli gemeinsam haben, der Vergleich war nicht denunzierend gemeint (wenn auch berechtigt)). Naja Wurst, was steht das steht, da hilft nur eins ... rubbeln.

Teil 3  - Warum es hier so langweilig ist



Teil 4 -Trends und andere hippe Sachen

Da mich meine Schwester von Zeit zu Zeit fragt, wie es mir in Spanien so ergeht, hier vorab nochmal die Anmerkung: Portugal, und sie sprechen dort kein Spanisch, sondern Sch'tii. Aber das nur nebenbei.

Nach einmonatiger Feldforschung musste ich feststellen, dass ich der einzige bin, der noch den trendigen Kult der Sandalen zu pflegen scheint. Aus der Mode, wird man mir sagen, alle tragen nurnoch Flip-Flops. Dabei sagt der Name doch schon, dass die ein einziger Flop sind. Man hat ein komisches unangenehmes Bändchen zwischen dem großen und dem Zeigezeh, verliert sie andauernd und kann nichmal gut Fußball damit spielen. Sandalen sind besser für die Füße, lassen Luft und Licht durch, und wegrennen kann man damit auch, wenn man ausversehen einen Gemüsestand umkippt. Es gibt also eigentlich keine logische Erklärung für den aufkeimenden Trend "Flip-Flops - jetzt auch für echte Männer". Naja, ich hoffe und trage sie weiter (ohne Socken). Die Zeit ist wohl noch zu früh für Retro. Aber wenn sie kommt, bin ich der Vorreiter.

Des Weiteren - und jetzt festhalten, mehrere skurile Dinge folgen - bin ich viel häufiger in Berlin, seit dem ich in Lissabon bin. Verrückt, damit hätte wohl keiner gerechnet. Ja, denken sich jetzt alle, wie wird er das wohl erklären, hat ihn ja gar keiner gesehen, und teuer ists ja auch. Nix da, nicht unter der Woche und am Wochenende wenn du so tust als könntest du portugiesisch. Berlin ist (und jetzt kommt die zweite Skurilität) ein kleiner Club im Bairro Alto, in dem ich meine inoffizielle Tätigkeit des Stangentänzers aufgenommen habe (gut, Leuten, die meine Vorgeschichte in diesem Geschäft kennen, wird das vielleicht nicht ganz so sonderbar vorkommen). Ideal, um nach einem erfolgreichen Besäufnis die Puppen tanzen zu lassen, wenn das Theater grad geschlossen hat. Wie kann ich 'n hier Fotos einfügen?
 
Ja, mit Schwung muss man da ran!

Teil 5 - Wer auf dem Klo sitzt, sollte nicht zur Seite kippen oder Eine beschissene Klosituation

Den Wahrheitsgehalt dieses berühmten Sprichwortes können Besucher des Largo do Carmo 18 4E von Montag bis Freitag zwischen 13 und 04 Uhr für den läppischen Preis von 3 Mark 50 an der eigenen Haut erfahren. Kinder zahlen das Doppelte.
Ich habe vorher noch nie diese Erfahrung machen dürfen, aber wenn man auf unserm Klo kackt, wackelts. Nein, das stimmt so (leider) nicht mehr, da gestern jemand kam, um es zu reparieren, weil sich die Nachbarn wohl beschwert hätten, es rumpelte immer so viel bei uns oben. Das stimmt auch nicht, eigentlich fanden sie es bloß nicht gut, dass unser Klowasser den Weg des kürzesten Widerstandes nahm. Durch die Decke in ihre Wohnung. Spießer.
Alles in allem ist aber auch hier oben die Klosituation nicht grade das, was man einen sauberen Schlüpfer nennen würde. Offiziell teilen sich hier sechs Leute mit verschiedenen kulturellen Hintergründen (und ja, das macht sich auch in der Badezimmernutzung bemerkbar, ihr werdet noch sehen. Wenn ich den portugiesischen Schiss kann, dann steppt in Deutschland der Bär) ... jedenfalls ... teilen die sich ein Badezimmer. Offiziell. Zudem kommen die beiden Dauergäste unseres italienischen Mitbewohners Francesco, der Freund meines deutschen Mitbewohners Marius, der quasi eher mal zwischendurch Urlaub in Deutschland macht, als umgekehrt, und diverse Zaungäste, Schmarotzer, Topfgucker, Touristen und Freunde - was uns alles in allem zu der Situation 10 gegen eins (oder sollte man eher sagen 10 auf eins) bringt. Nicht selten kommt es daher vor, dass man ein in der Not abgesetztes Häufchen Notdurft im Flur finden. Der Name kommt ja nicht umsonst daher, dass man das auch mal in der Not durft. Im Portugiesischen heißt das merda em tua cama. Da hört der Spaß dann auf.

Hier bekommt der Titel des Buches Wie ich mich auszog, um den Schlüpfer zu wenden nun endlich eine tiefere Bedeutung.


Da mir mein Arsch eingeschlafen ist, reicht das für den Moment erstmal. Mehr gibt es wie immer bald und zu keinem genauen Zeitpunkt.

Kind Regards
Prof. K. K. Bratze 

Mittwoch, 14. September 2011

Das hat man davon...

... wenn man zu irgendwelchen Kommerz-Erasmus-Clubs gehen will, sich umentscheidet, weils scheiße ist und dann allein nach Hause geht.
So wurde Robin das erste Mal in seinem Leben abgezogen. Hey, es war nur seine Sonnebrille, aber hey, es war SEINE Sonnenbrille! Und sie war kuhl verspiegelt!
Warum kann man in sonen Momenten nicht einfach zuhauen und sagen "Nee man, ist meine"?! Wut!

Morgen geht's zu Benfica-Manchester. Da kann ich das dann rauslassen. Nicht.

Donnerstag, 8. September 2011

Potz Blitz und Donner Lümmel!

Ich bin krank! Und keiner macht mir ne Suppe! 
Sogesehen bin ich noch nicht richtig krank, aber der geneigte Quängler könnte Halsschmerzen nach einer durchzechten Nacht so auslegen. Und da um mich herum alle Leute krank sind/waren/werden wollen, liegt nur nah, dass ich mich diesem Trend unterwerfe. Wie dem Bart-Trend. Unter uns, man kann ihn schon richtig zwiebeln mittlerweile. Es kommt nicht selten vor, dass mich Leute auf der Straße mit den Worten "Darf ich mal anfassen?" dazu bringen missverständlicherweise meinen Hosenstall zu öffnen, um dann festzustellen, dass sie meine Ähnlichkeit mit Bud Spencer meinen. Wenn mein Hat-Nicht-Mehr-In-Den-Koffer-Gepasst-(-Hättest-Du-Halt-Nicht-So-Viele-Pornos-Mitgenommen-.-.-.-Dreckssau-!-)-Paket mit meinem Rasierer ankommt, werde ich ihn wohl erst einmal mit der Schere stutzen müssen, damit sich nicht alles in der Klinge verhakelt.

Ansonsten fühlt sich das Leben hier dieser Tage wie ein neuer Abschnitt im neuen Abschnitt an. So, dass man nicht mehr nur Touri ist, sondern schon Ahnung hat, was im Kiez abgeht, wenn die Homies am Stizzen sind. Ganz besonders stolz bin ich auf die Tatsache, dass (ich einen Bart habe und) mittlerweile genau sehe, wer mir welche Drogen, Kinder oder Spielwaren verkaufen will. Ich kenne meine Dealer. Da reicht ein leicht genervtes Kopfschütteln und im Gegenzug bekommt man einen kuhlen Homie-Spruch auf portugiesisch à la "Jo man Alter, kennst dich hier aus was, hab ich gleich gesehen, wir sind ja soooo ne!" (Zu vermuten, ich hab nie verstanden, was sie wirklich gesagt haben). Neuerdings fangen dann auch Leute in der U-Bahn an, sich einem auf Deutsch mit der plumpen Anmache "Na, wieder nüchtern?" aufzudrängeln. Ein irritiertes "Häh?" ist in diesem Falle wohl Antwort genug. Scheich 'hach Al'hama Scha'la'la kannte ja auch nicht die Namen all seiner Konkubinen. Dreistigkeit ist eben überall zu finden. (Dreist ist übrigens auch, dass sie hier für einen halben Liter Pisse mehr nehmen, als in Deutschland für Bier). Außerdem gibt einem der kleine Zwiebelrest in der mittelmäßig sorgfältig abgewaschenen Müslischale am Morgen doch ein wenig das heimische Gefühl von zuhause.
Ich habe verschiedene Tätigkeiten auf meine To-Do-In-Lissabon-Liste gesetzt (nicht zu verwechseln mit der generellen To-Do-In-Foreign-Cities-Liste, die nun den Punkt "Rolle stocksteif eine abschüssige Straße runter" (Punkt erfüllt, Wäsche gewaschen) enthält), auf die ich jedoch noch nicht weiter eingehen möchte. Irgendwann heißt das noch "Junge, du sollst doch auch studieren!" - Vorsorge ist die bes... achnee, den hatten wir schon. Wie auch immer.

Ich habe Lissabon heute das erste Mal vor um 12 gesehen (den Tag meiner Ankunft ausgenommen) - weil die diesen ganzen Welcome-Shit tatsächlich auf 9.45 angesetzt haben, nur um sich dann in endlos langen Powerpoint-Präsentationen selbst zu huldigen - und ich muss sagen: Das ist so ein bisschen wie's Kunstmuseum. Muss man mal gemacht haben, reicht dann aber auch wieder. Wie gut, dass mein Stundenplan sich mit meinem derzeitigen Lebensstil so wunderbar arrangieren lässt.
Zu guter Letzt möchte ich anmerken, dass wir ein Bidet haben und mir eine Italienerin endlich erklärt hat, wozu das gut ist. Wie umständlich, dachte ich immer, da drin seine Füße zu waschen, wo man doch einfach duschen gehen könnte. Als müsse der Dreck nur nachrutschen. Nein, man kann sogar seinen Schniedel - oder gegebenenfalls seine "Fica" (ital. für Muschi, port. für befindet sich (örtlich)) - waschen. Nach dem Sex, nach dem Kacken, oder einfach zwischendurch, weil er/sie so oft an der Hose rumgeschubbert ist/hat (schubbert man aktiv oder passiv?!), dass er/sie schonmal ins Schwitzen gekommen ist.

Wikipedia sagt dazu: Personen, die nicht mit dem Gebrauch des Bidets vertraut sind, verwechseln dieses meistens mit einem Urinal oder einer Toilette.

Na dann ist's doch klar! Also Folks, ich muss noch Briefmarken sortieren gehen, bevor ich mich - unter dem Vorwand, es lernen zu wollen - von ein paar schicken Italienerinnen bekochen lasse. Ich guck mal auf die Zwiebel, es is halb 7, also ran an die Boulletten!

Montag, 5. September 2011

Ein Tag am Tejo ...

... ist wie ein tittiger Traum transzendenter Tangateilchen. Ist er nicht, aber ich wollte die spontan entstandene Alliteration fortführen. Trotzdem haben der Tag am Tejo und oben genannter Vergleich etwas gemein: beide haben was für sich.

An diesem sonnigen Sonntag (schon wieder eine, ich kanns nichts lassen) nahm ich die Beine in die Hand und schwebte am Tejo entlang. Ausgegangen um Fische zu zählen (detailliertere Informationen über die Fische behalte ich Anne vor), am schmutzig schmatzigem Wasser entlang, Sonne im Nacken und Cornflakes im Bauch - so geht's doch auch. Die Abschnitte des Flusses, die ich passierte, sind allerdings allesamt nicht von, wie könnte man sagen, schöner Gestalt. Touristenüberladen, dreckig oder nicht passierbar (weil Kreuzfahrtschiffe im Weg stehen), sticht (bisher) eigentlich nur eine Stelle wirklich heraus, an der man für eine kurze Weile verweilen kann. Bis aus der kurzen Weile Langeweile wird und man nach einer Weile weiter macht. Dort, wo die alten Männer noch ihre Angeln auswerfen können ... wenn ihr versteht.
Wie ich da so saß, schaute ich den Möwen beim Kacken zu und einem Reiher beim Zählen der Fischbestände (Zitat "1000, 999 ..."). Da fragte ich mich, ob fliegen beim 100sten Mal immernoch so geil ist, wie beim ersten Mal. Also ich mein, wenn man eine Möwe wär. Die flatterten und schwebten dort so vor sich hin, machten kurz ne Pause und flogen dann weiter. Wie flexibel man wär. So reisetechnisch. Die haben ja auch nichts mit, unter dem einen Flügel die Zahnbürste, unterm anderen ein Maschinengewehr und das wars. Wenn man fliegen kann, hat man einfach noch eine Bewegungsdimension mehr. Also klar, wir können springen, aber das zählt ja irgendwie nicht. 
Ist fliegen wie Achterbahnfahren (okay, hier kann ich nur Vermutungen anstellen, da ich noch nie Achterbahn gefahren bin, ist bestimmt wie besoffen nach Hause laufen) oder ist es auch beim 1000sten Mal noch geil? Blöd, dass man die Möwen nicht fragen kann. Dann heirate ich eine Stewardess.

Vor meiner Wohnung hängt die Anleitung zur Herstellung eines Molotovcocktails.

Die Suche nach der Band hat begonnen, es haben sich schon freiwillige Mittäter gemeldet, wir sind jetzt schon Sängerin, Gitarrist und jemand der tanzt, klatscht und mitsummt (gleichzeitig). Vielleicht kann ich nun endlich den Traum meiner imaginären Gefängnisband Die durchgeknallten Knastvögel leben, mit Klassikern wie "Ich bin dann mal duschen", "Walter von der Vögelweide" und "Bück dich, der Wärter kommt!" (Alles im englischen As-Dur). Vielleicht sind wir aber auch einfach nur Angela und seine Schwester. Darüber muss bandintern noch abgestimmt werden. 
News dazu gibt es bald, also schaltet wieder ein, wenn es heißt "Zunge weg, ich furze!"

Ihr
Jonathan Frakes (Leadgitarrist von John and the Frakes)

Sonntag, 4. September 2011

Unick sach noch: "ney lassma!"

Ich habe ja alles versucht. Um hier nüchtern Bericht abzugeben. Aber diese Stadt schafft mich einfach. Drum nun, in allerfeinstem Deutsch, all das, an was ich mich erinner von den letzten Tagen.
Da man mir soeben noch einen leckeren Mojito mit auf den Weg gegeben hat (er meinte, er könne den Drink nicht mit ins Taxi nehmen), werde ich nun bei dessen genüsslichem Verzehr meine Memoiren schreiben. Das hat auch en wenig mit Memorie zu tun (für die, die mit dem Wort nichts anfangen können - jemand erzählt dir, was du getan hast und du schaust in deinem Kopf, ob du das passende Gegenstück findest).
Wat ick sagen sollte. Ich war gestern bei meinem ersten Shooting in Lissabon, und ich bin froh, dass ich nicht gut getroffen wurde. Es kam wie folgend, in einer feuchtfröhlichen Nacht in Bairro Alto, Erasmus Corner (wo alle Erasmusleute immer hingehen wollen, weil sie denken, sie müssen. Nicht fein.): Wir standen da un fröhnten dem wohlgezügelten Alkoholismus, als da die Flaschen geflogen kamen. "F-Hain!", dachte ich noch, als plötzlich alle wegliefen. Es wurde ernst. Ich lief mal lieber mit. Und dann wieder zurück. Am Ende doch wie ein Unfall, man kann nicht wegschauen (Ganz nebenbei, ein paar hübsche Italienerinnen gibt es hier, da kann man auch nicht wegschauen. Mama Mia!). Dann, Schüsse. Drei an der Zahl. Stille. Noch mal drei Schüsse. Ruhe. Ein paar Wagemutige gehen die Straße checken, in der wir eben noch tranken, unter ihnen ein tapferer Recke mit wolligem Haar, der mit dem Schaf tanzt. Nichts mehr zu sehen, außer ein paar Scherben. "Puh!", denk ich noch, "Scherben bringen Glück! Deswegen wurde ich nicht getroffen." Alles in allem kann ich aber sagen, dass ich - trotz meines guten Aussehens - lieber nicht so oft bei Shootings dabei sein möchte.
Was gibt's sonst noch? Hab ich von den hübschen Italienerinnen erzählt? Zu dumm, dass das bisschen italienisch was ich kann sich auf "Wo ist die Damentoilette", "Dummer Arsch" und "Leck mich am Arsch" beschränkt. Und dann verstehen die das nicht mal. Ausländer halt, da muss man einfach Udo Voigt fragen, der regelt das. Noch ein Schluck Mojito (oder wie der geeichte Urlaubsdeutsche sagt: "Modscheido!"), und es folgt Alzheimer Episode 2 - Die Erinnerung kehrt zurück.

Schade, dass mit ihr nicht auch die Motivation. Neues aus dem Bommerland (oh! Bommerland ist abgrebrannt!) gibt's in der nächten Folge von "Meine Muschi muss zum Tierarzt".!

Mittwoch, 31. August 2011

It never rains in Southern California...

Hallo, ich bin Troy McClure - Sie kennen mich vielleicht aus beliebten Erotikfilmen wie "Der frühe Vogel fickt den Wurm", "Die Äpfel häng' nicht weit vom Stamm" oder dem Horrorporno "Da beißt die Maus sein Faden ab".

Hätte ich gewusst, dass es in Lissabon auch regnet, wäre ich da geblieben. Und Essen gehen sollte man hier auch nicht. Fettig und teuer. Dafür kann man billig trinken.
Jut. Wetter hamwa, Essen scheiße, Trinken geil. Dit wär dit ... 

Eu tem 23 anos. Dezasseise. Immer und immer wieder kommt einem in diesem verrückten Land die Affinität zum Analen unter. Der geübte Portugiesisch-Sprachler weiß an dieser Stelle, was ich meine. Für die Laien hier zur Erklärung der Aussprache. Anos wird wie "Anusch" gesprochen, was dem Stammtisch-Portugiesisch-Sprachler den Eindruck vermitteln könnte, der Satz hieße "Ich habe 23 Arschlöcher" (Im Portugiesisch-Schtii/Schtii-Portugiesisch-Wörterbuch unter False Friends zu finden). Dezasseise wird "Dieschaseische", was ähnlich "Dieser Scheiße" klingt. Muss man nicht reininterpretieren. Kann man aber.

Mehr gibt's nicht für den Moment. Das war einer dieser motivationslosen Posts. Jaja! Ich wollte nur den Anfang unterbringen. Der Einfall kam mir (wo sonst) beim Ka...belbinden.

Also Folks, haltet die Schniedel steif und nicht vergessen: Wie man in den Wald reinpupst, so pupst er auch zurück.

Montag, 29. August 2011

Jimmy was a rabbit ...

"Da hatta aber lange gebraucht, ick dachte schon, er hätte keine Lust mehr!", wird der geneigte Leser jetzt vielleicht denken. Ja. Vielleicht denkt er aber auch was völlig anderes, oder gar nichts. Wie auch immer. Einstieg vermasselt. Einstiege sind immer schwierig. Wenn ich es mir recht überlege, egal in welcher Beziehung - wobei man das auch schon wieder zu meinen Ungunsten auslegen könnte. Wie Teppich.

Wo wir grad bei "wie" sind: Wie auch immer. Was ich mitzuteilen versuche ist, dass ... ich bin schwanger. (Nadine, gib die Tastatur wieder her!) In den letzten Tagen musste ich erst einmal erleben, um Erlebtes wiederzugeben, denn wie auch schon der alte Gaffer Swanthold sagte "Erst erleben, dann über...wiedergeben!" Er war ein weiser Mann, dieser alte Gaffer Swanthold. Er ist so ein bisschen wie die Dorfmatratze - man kann bei jeder Gelegenheit auf ihn zurückgreifen. Doch Klaus beiseite, Ernst ist dran.

Ich möchte heute etwas über Tittenbonus loswerden, ein (jedenfalls von männlicher Seite) totgesabbertes Thema, doch scheint mir die Aktualität genug Anlass zu geben, mein Plädoyer für maskulinen Brustbesitz auf die Massen loszulassen (ich beliebe zu reimen). Erinnern wir uns an den Cliffhanger in der Folge "Was man sich so vornimmt ... ", in der der Ausgetauschte sich vornimmt, eine Gitarre zu kaufen und Straßenmusik zu machen. Das Ende blieb unerwartet offen, keiner wusste, ob er sich nun wirklich eine Gitarre holen würde oder nicht. Und würde er Brötchen für das gemeinsame WG-Frühstück kaufen? Da ich des Englischen mächtig bin, habe ich die nächste - in Deutschland noch nicht veröffentlichte - Staffel schon gesehen (ich sag nur: 100 nackte Portugiesinnen!) und kann verraten: 
Ja, er hat eine Gitarre und ja, er hat auch Straßenmusik gemacht. Nein, er ist nicht jämmerlich gescheitert - das ist alles Auslegungssache.
Der erste Versuch: Man setze sich mit der Gitarre (ohne Halsband zum Umhängen der Gitarre) an den Rand der großen Touristen-Schlender-Straße und spiele Songs. Wenn man die Töne trifft, singe man lauter dazu, sonst leise. Wenn man den Text nicht weiß, improvisiere man, es hört sowieso keiner auf den Text. 70 Cent in nur 40 Minuten lässt sich auf einen stattlichen Stundenlohn von 1,05 € hochrechnen. Aber aller Anfang ist schwer. 
Der zweite Versuch: Da allseits bekannt ist, dass Singen und Gitarre spielen much cooler ist, als nur eines von beidem, mussten also neue Songs her. Die ich auch treffe, also so von der Tonhöhe. Man mache sich also in einer sonnigen Nacht daran, Songs zu schreiben. Zwei Songs, zwei Geschichten über Liebe, Schmerz und tote Tauben, eine herzzereißende Stimme. Same procedure as last year. Keiner wollte mir Geld geben. Was lief falsch?
Der dritte Versuch: Angespornt von Luisas (das deutsche Sängermädchen) wesentlich beträchtlicheren Erfolgen (20 € + die Stunde) und ausgerüstet mit einem Um-Den-Hals-Binde-Band für die Klampfe und den zwei Songs, deren Gesangslinie sozusagen direkt auf meine Stimme angepasst wurde, stelle ich mich auf die Straße. Ich spiele. Ich singe. 

Jimmy was a rabbit, and he wanted to fly
but he had no wings (oh man!), so he was supposed to die.
so he was supposed to die.

Chorus:
Uhhhuhhh, uuuhhuuu oh why oh why are the best the first to die?
Uhhhuhhh, uuuhhuuu oh why oh why are the best the first to die?

Verse2
Gipsy was a pidgeon, and she wanted to dive.
But when she reached the water (my friend!), she suddenly lost her life.
She suddenly lost her life.

Verse3
Jordan was a snail (a slicky snail!), he want'd to cross the street.
But he didn't see the Van (My man!), so he ended up like bleed.
So he ended up like bleed.

CHORUS

Bridge
All these heroes, forever lost and not found.
they grasped for their aims and reached the ground.

Verse5
Clara was an Icebear, who had some wintersleep.
But she forgot to wake up (again), and now we have to weep.
And now we have to weep.

CHORUS

Der Geldbeutel bleibt leer. Von komischer Tragik erfüllte Songs sind anscheinend nicht mehr In dieser Tage. Woran liegt es also? Die Antwort, meine Freunde (und Familie, Bekannte), liegt auf der Hand. Bzw. am Besten in beiden Händen, rund und handlich. Der Tittenbonus. Zwei Mal innerhalb von 3 Tagen wurde ich Zeuge eines kompromisslos angewandten Tittenbonus! Zwei Mal wurden Luisa 20 Euro Scheine zugesteckt, einmal nach 1 Minute zuhören (der Spender ist danach fortgegangen), einmal ohne, dass sie die Gitarre überhaupt ausgepackt hatte (gut, dieser Spender, ein Froschfresser, hat ihr danach über Facebook seine Liebe gestanden, auf ziemlich strange Weise, aber egal ... )! Dies führt zu dem Schluss, dass man entweder richtig gut spielen muss (da geben die Leute wohl auch), oder aber richtig gut aussehen muss (mindestens zwischen Hals und dem Bereich um den Bauchnabel herum (altersabhängig)). 
Probleme hat man, wenn man beides tut - das nennt man Reizüberflutung. Mein Misserfolg hat also einen natürlichen Grund. Doch ich werde nicht aufgeben. Ich werde wieder dort stehen. Der nächste Versuch führt zu einer Bandgründung. Ich brauche jemanden für die Percussion, jemanden für den Gesang, jemanden für das gute Aussehen, jemanden für das mitleiderregende Aussehen (halt, ich bin ja auch in der Band), jemanden für das Mit-Dem-Hut-Rumgehen und eine/n Manager/in. Bewerbungen gehen an GUTELAAAAAAUNE@kein-sex-vor-sex,-deine-mudda-stinkt.pt.

Ich muss schlafen, ich muss morgen um 13 Uhr aufstehen.
Dieser Post erzählt nicht viel. Es ist nämlich nicht viel passiert. Jedenfalls nichts Blog-wertes. Von den Drogenparties und Sexorgien weiß ja mittlerweile jeder. 

Gute Nacht!
Boa Noite (portugiesisch für "Boah Leute!")!

Dienstag, 23. August 2011

Was man sich so vornimmt ...

Lauwarme Nacht, der irgendwannste August im Jahre des Stiefels 2011

Ein sanftes Plätschern untermalt die friedliche Stille der Nacht in der Stadt, in der Nutten und Koks noch mehr als bloß Teil fabelhafter Erzählungen sind. In Lissabon, wo sich Zivilisation und Menschlichkeit "Gute Nacht!" sagen, läuft ein unscheinbares Rinnsal Pisse durch den Bairro Alto, um dem Tejo in der morgendlichen Sonne seinen glänzenden Schein werfen zu lassen ...
Ein Mann, hagerer Gestalt, doch nicht unsportlich, von mittlerem Wuchs, doch nicht so, dass man ihn klein nennen würde, sitzt in seiner lauschigen Kammer und fährt sich durch den Bart. Und hier wird es unauthentisch.

Ich habe eine Teilzeitkatze (was, wenn man diesen Satz im Englischen ohne weitere Erklärung stehen ließe?) Sie kommt übers Dach durch meinen Balkon ins Zimmer und sagt immer das gleiche. Wuff.
Ich habe mir vorgenommen, Katzenfutter zu kaufen, damit ich ihr im Falle des Falles das Maul stopfen kann. Allerdings ärgert es mich jetzt, dass ich mir von meiner Oma nie habe das Stopfen beibringen lassen. Aber Improvisation war ja schon immer meine Stärke. Zum Beispiel, wenn ich den Straßenhändlern auf Englisch erkläre, dass ich kein Englisch (und eigentlich überhaupt keine Sprache) spreche. Jedenfalls gehört die Katze (noch) den Nachbarn, und ich hoffe, dass sie - entgegen der Ankündigung meiner einen (noch) Mitbewohnerin (sie reist morgen ab) - auch im Winter vorbeikommt, um meine Füße zu wärmen. Dann brauche ich nur noch eine weitere Katze und schon macht es nichts mehr, dass ich meine Tierhausschuhe vergessen habe.

Ich habe keine Gitarre hier. Das ist so zwar gelogen, weil hier tatsächlich eine rumsteht, aber wer würde einem Trabbibesitzer widersprechen, wenn er postulierte, er habe kein Auto. Da ich in letzter Zeit mit diversen Straßenkünstlern in Kontakt war (wenn man nichts zu tun hat ...), habe ich auch überlegt, meine spärlichen Gitarrenkünste dem wohlhabenden Tourismus dieser wunderschönen Stadt zukommen zu lassen. Dabei enstehen zweierlei Probleme, die ich sogleich zunichtete (mit jedem Neologismus fördern wir die Vielfalt unser verbal-künstlerischen Werke). Zum Einen kostet eine Gitarre viel Geld. Ich kann sie aber wieder verkaufen, wenn ich wieder gehe. Außerdem ist sie ja dazu da, Geld einzunehmen. Zum Anderen kann ich nicht singen. Das wissen die anderen allerdings nicht. Außerdem hat man schon ganz anderen Leuten Geld in den Arsch geworfen (Dieser Stunt wurde von professionellen Stuntmen ausgeführt, bitte nicht nachmachen). Das ist ein bisschen so, wie wenn die Mafia Schutzgeld verlangt, damit den Leuten nichts Übles geschieht. Zweifel beseitigt.
Ich habe mir vorgenommen, eine Gitarre zu kaufen. Und diese Stöcker (3 Stück), bei denen man zwei in den Händen hält und einen in der Luft (durch das bewusste, koordinierte Dagegenhauen) rumwirbelt. Ich würde ja ein Bild davon verlinken, damit der unwissende Leser sich ein Bild davon machen könnte, aber sowas wird bekanntlich teuer. (An dieser Stelle grüße ich die Firma Markenglas, ihnen sei es erlaubt mir auch über diese weite Entfernung den Arsch zu lecken.) Ich weiß leider nur nicht, wo ich diese Stöcker herbekomme, ganz zu schweigen davon, wie sie heißen.
Die Frau, die sich diesem Vergnügen auf der Straße gewidmet hat, nannte mir die Adresse von einem großen Einkaufszentrum. Sie sagte allerdings nicht, dass es SO groß sei. Ich habe sie nicht gefunden. Dennoch, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und vorher der Glaube, die Endorphin-Rezeptoren (wobei hier das Zu-Wort ab von Nöten ist. Sie sterben nicht, sie sterben ab), die Bäume, die Sonne und die Gazellen. Wenn die Gazellen sterben, sterben die Löwen. Wenn die Löwen sterben, sterben die arbeitslosen Zoowärter. Wenn die arbeitslosen Zoowärter sterben, sterben die arbeitslosen Arbeitsamtmitarbeiter und damit ein Teil des Beamtentum. Wenn das Beamtentum zusammenbricht, bricht die Gesellschaft zusammen, Anarchie bricht aus, die Oligarchen sterben, die Bauern, die Kühe und alles, was mal gelebt hat. Und dann stirbt die Hoffnung. (Mehr aus Robin erklärt die Welt und das, was sie zusammenhält demnächt in Ihrem Kino. Bald auch in Ausländisch.)

Viele Leute, die ich auf der Straße treffe, sprechen Portugiesisch. Ich nicht. Das ist weniger schön, da ich häufig nicht verstehe, was sie sagen. Noch weniger schön ist es, wenn sie mit mir reden und ich verstehen sollte, was sie sagen. Allerdings können viele auch Englisch, so dass mir kein Arzt per Google-Translator erklärt, er brauche "Kot für die Kultur" (Witte 2009, S. 25).
Ich habe mir vorgenommen, Portugiesisch zu lernen. Allerdings erst, wenn mein Kurs anfängt (29.08.), da ich vorher noch Urlaub habe (haben schon ganz andere Leute Burn-Out bekommen. Schon der alte Gaffer Swanthold hat gesagt: "Vorsorge ist die beste Vorsorge!") Darum genieße ich nun die Zeit, so etwa morgen durch ein schönwettriges An-den-Strand-gehen. Vielleicht. In Lissabon weiß man nie. Es gibt Klischees - wie etwa das weitverbreitete, dass alle Portugiesen durch den Arsch atmen - die sind so nicht korrekt. Nicht alle Portugiesen. Dass man hier aber nach der Devise Wem de's heute kannst besorgen, dem besorgst' es eben morgen lebt, stimmt tatsächlich.
Ich habe mir vorgenommen, an den Strand zu gehen. Aber man weiß ja nie.

Montag, 22. August 2011

Nich' einfach nur saufen!

Das verrückte an Lissabon ist, dass man irgendwie jeden Tag besoffen ist. Das geht ja wohl nicht! Wenn mein Sprachkurs beginnt, muss sich das ändern! Genatzt! Muss sich gar nicht, weil portugiesisch sowieso so klingt wie der Dialekt von "Willkommen bei den Schtiis", oder wie der Engländer sagt "Welcome to the Schtiis" oder wie der Franzose sagt "Bienvenue chez les Sschties"!"3!23! ... Wie auch immer, jedenfalls wurde mir der Rat erteilt (und ich kann das bisher nur bestätigen): einfach nuscheln. Und wann nuschelt man besser, als nach eins, zwei, drei, vier , fünf, sechs, sieben, acht, neun, zehn, elf, zwölf, trölf, völf Glas Wein?

Ja, das wollt ich eigentlich nur mal erzählen. Ich geh jetzt nämlich das erste Mal früh ins Bettchen. Die Lisboanesen gehen nämlich immer sehr spät schlafen. Wenn man um 5 nach Hause kommt und pullern muss, muss man in die Küche pullern (oder aushalten), weil grad jemand duschen ist. So sehr ich die Wohnung, in der ich live (Anglizismen und Denglisch rules) liebe, muss ich doch sagen, dass ein Bad für around 6 Leute zu viel ist. Nee, zu wenig, mein ich.

In diesem Sinne: Boa Noite. Oder wie der Schtii sagt "Släf sön, träum wasch sönes und schag mis Beseid, wennde wieder wach bischt!"

Sonntag, 21. August 2011

Wie man neue Leute kennenlernt Teil 1

Der zweite Tag - Das Mädchen mit der Gitarre

Nachdem ich meinen Schlafmangel kuriert hatte und irgendwann gegen 12 wach wurde (was sehr gut mit Adáns Aufstehzeit harmonierte, da er sowieso nie vor 4 oder 5 nach Hause kommt), machte ich mich los, die Stadt im Hellen zu erkunden. Es ist schon lustig, wie einfach die Wege doch am Tage aussehen. Im Endeffekt musste ich feststellen, dass ich mehrere Male nicht mal 3 Minuten von zuhause entfernt war. Running in Circles.
Ich tummelte mich zum Tejo und genoss die Sonne, spazierte auf der Rua Augusta entlang (die in etwa mit den Ramblas in Barcelona zu vergleichen ist (wenn ich mich nicht irre) oder der Leipziger Straße (was eine maßlose Lüge ist, weil die Leipziger Straße nichts gegen die Rua Augusta ist)) und hörte den Straßenmusikern zu. Unter anderem hatte sich ein kleinen Grüppchen um eine singende Gitarristin gruppiert, von der nicht auszumachen war, ob es sie alle zusammen gehörten oder die Gruppe nur Zuschauer waren (weil irgendwie alle Instrumente dabei hatten). Ich setzt mich dazu auf die Straße und lauschte. War ja nicht so, dass ich keine Zeit hatte. Irgendwann machten sich die Kerle mit den Instrumenten auf (es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass wir ihnen begegneten) und ich blieb noch eine Weile. Als ich dann irgendwann der einzie war, der klatschte, schnackte mich das Mädchen an, wobei sich herausstellte, dass sie auch aus Deutschland kam (was man ihr nicht ansieht, weil die Mama Portugiesin ist), und für einen Monat in Lissabon war, um ihren Freund dort zu besuchen. Da dieseer tagsüber arbeiten musste, hatte sie am Tage auch meist nichts zu tun. Wir gingen ein Käffchen trinken, chillten noch auf der Rua Augusta rum, um uns von irgendnem skurilen Mann als scheiß Westdeutsche bezeichnen zu lassen (Puh, Schwein gehabt! Berlin und Halle for the win!) und schließlich auf dem Placa de Camões mit ihrem Freund und ein paar Spaniern bei Wein, Tanz und Gesang den Abend zu zelebrieren. Irgendwie doch unglaubliches Glück, an seinem ersten Tag gleich jemanden zu treffen, der genauso viel Zeit hat, wie man selbst. Zu zweit findet es sich auch wesentlich leichter andere Leute, als alleine ...


Der dritte Tag - Funny Frenchies


Die Schreiblust singt. Was singt sie? Lauschen wir einmal "Oooooohhh, mon amouuuuur, isch 'abe keine Luuuust mehr!" Daher kurz zusammengefasst. Auch der Freitag war geil. Luisa und ich haben die Franzosen wieder getroffen, die ihr am Tag zuvor zugehört hatten. Es stellte sich heraus, dass sie zu viert mit ihren Instrumenten durch alle europäischen Großstädte tingeln, um dort auf der Straße Musik zu machen. Wir konnten einen Livegig von ihnen sehen und es war beeindruckend. Ich hab lange nichtmehr so eine geile Live-Show gesehen. Wir sind dann, nachdem ich gegen Abend endlich mein eigenes Zimmer beziehen konnte (in einer perfekten Lage, ein perfektes Zimmer, ich schwärme immernoch), mit den vier Jungs irgendwo billig essen gegangen, um dann in Alfama Fado zu hören (diesmal habe ich mich nicht verlaufen!). Kurz: Schön war's.

Samstag, 20. August 2011

Am Anfang stand ... waren wir alle nackig

Der erste Tag - Lost in Alfama

 "Wenn Sie keine Ahnung haben, lassen Sie es lieber!"

Die weniger spannenden Sachen lasse ich einfach mal aus, oder verkürze wie folgt: Abgeholt, Uni, Wohnung, Rumlaufen, Schlafen.
Der zweite Tag ... nicht. Ich wurde von zwei jungen hübschen Portugiesinnen vom Flughafen mit dem Schild "Welcome Robin, ich will ein Kind von dir!" (Anm. des Autors: so oder so ähnlich) abgeholt. Susana und ihre Freundin, deren Namen ich vergessen habe. Wir fuhren mit dem Bus zur Uni, wo ich von Carlosch (schreibt man anders als man spricht, ist aber geschrieben wie man sprischt) in die Geheimnisse der Erasmusstudierie eingeführt wurde. Eingeführt wurde mir dabei aber nichts.
Auf dem Weg zur Metro-Station St. Apolonia (wo mich der Freund eines Freundes einer Freundin abholen wollte, um mich bei sich zu beherbergen) wollte ich grad einen Spruch zu den Füßen der Freundin von Susana machen, nach dem Motto "Na, biste auch ne Weile barfuß gelaufen, so dreckig wie die sind", als mir wieder einfiel, dass sie schwarz ist und es somit kein Wunder ist, wenn auch die Füße schwarz sind. Naja, ich habs zum Glück vorher gemerkt.
Ich hatte das unglaubliche Glück, dass Adán (der mich beherbergt hat) zufällig DJ in einem Nachtclub auf dem Bairro Alto und in einem Hostel ist, so dass er viele Leute kannte und viele kuhle Geschichten über Lisboa erzählen konnte. Er schaffte mir auch den Kontakt zu der brasilianischen Tänzerin und somit zu meiner neuen Wohnung (sie lebt hier auch). Ohne Adán wär ich am Anfang wohl ziemlich aufgeschmissen gewesen. Das Problem an der Bleibe bei Adán war, dass sie in Alfama liegt. Das Problem an Alfama ist, dass es als Grundriss jedes modernen Irrgartens dienen könnte. Das Problem an Robin ist, dass er seine Fähigkeiten in Sachen Orientierung manchmal überschätzt. 2 Metrostationen kann man ja wohl laufen, Adán meinte man braucht 20 Minuten. Da hat er sich geirrt. Man braucht 1,5 Stunden. Allein, als Tourist, nachts, müde, mit den Worten verschiedener Reiseführer im Kopf "Man sollte nicht allein nach Alfama gehen, wenn man sich nicht auskennt. Erst recht nicht als Tourist. Erst recht nicht nachts." (so oder so ähnlich). Hat am Ende nicht mehr so viel Spaß gemacht, erstrecht wenn einem halbstarke Portugiesen irgendwas zurufen, was man nicht versteht. Naja, die werden schon irgendwann noch deutsch lernen. Ich bin zuversichtlich.


Was macht der Junge da eigentlich?

Einen Blog! Und was für einen! Einen dreckigen kleinen, schmutzigen feinen, unendlich...ja wie auch immer. Nach kurzer Überlegung (Lüge!) habe ich mich nun doch dazu entschlossen, einen Blogg-Dings zu schreiben. Einfach weil ichs kann (Lüge!), aber auch, weil allein die ersten 3 Tage schon so voll von neuen Impressionen waren, dass das wiederholte Niederschreiben und Erzählen für die große Zahl der Interessierten (Lüge!) meine ganze Zeit und auch die meiner Nachbarn beanspruchen würde.

Darum - und weil ich es kann (...) - und weil ich grad schöne Live-Gitarren-Musike durch das offene Fenster hören kann, weil es grade regnet (Ich dachte hier regnet es nie!), weil ich keine lust mehr auf groß- und kleinschreibung habe, weil, weil, weil...