Guten Morgen liebe Gemeinde,
lang ist es her, dass der liebe Vater Tom gepredigt hat, zum einen der Zeit, zum anderen der Vergesslichkeit, zum wieder anderen der Auswahl der Themen wegen. Doch an diesem wunderschönen Morgen möchte ich meine gute Laune (Gudä LaunäääääääÄ!) mit euch teilen, liebe Gemeinde und nach einem Sonnenaufgangs-Frühstück am Tejo dieses Video empfehlen, was einfach nur ... schön ist.
Doch was hat er getrieben, in all der Zwischenzeit, zwischen Zeit und Raum, Raum suchend, suchend und findend? Wenn er das noch wüsste, liebe Gemeinde, dann hätte es ja auch Blog-Einträge gegeben. Geprägt war die Zeit von guten, wie von schlechten Tagen, Sonnenschein und Regen, kulinarischen Genüssen aus Japan, China, Italien (überall, nur nicht Portugal(l)), Liebe, Lust und Leidenschaft und einem Haufen nichtssagender Beschreibungen der letzten Tage.
Heute Morgen hab ich von meinem Neffen geträumt. Im Traum waren es sogar zwei, und sie waren drei. Jahre alt. Und just in dem Moment, als ich ihnen ihr erstes englisches Wort (ugly) beibringen wollte, wurde ich von einem Weck-Anruf zum Sonnenaufgang schauen und Frühstück essen am Fluss (der wohlbemerkt so nebelüberzogen war, dass man nur ein langsam heller werdendes etwas sehen konnte, was sich Tag nannte), ... jedenfalls als ich meinen Neffen grade Englisch lehren wollte, wurde ich geweckt. Und startete mit einem guten Gefühl in den Tag. Wenn man an Kinder denkt und ein gutes Gefühl hat, merkt man, dass man alt geworden ist. Oder pädophil.
Wir schreiben den 28. November, der erste Tag wohlbemerkt seit langem, an dem ich vor um 8 aufgestanden bin. Nunmehr 3 Monate und 10 Tage bin ich schon auf Irrwegen, Umwegen, Auswegen und Vonwegen(s) unterwegs. 3 Monate und 10 Tage, die mich die meiste Zeit sehr glücklich gemacht haben und eine der besten Entscheidungen waren, die ich in den letzten 35 Jahren getroffen habe. Ich hab mich während meiner Schulzeit nie getraut für längere Zeit ins Ausland zu verschwinden, weil ich mir nicht vorstellen konnte so lange ohne die geliebten Menschen zu leben, die ich zuhause lassen würde. Dann ging ich nach Halle und stellte fest, dass es irgendwie doch geht, auch wenn man sich nur selten sieht. Vielleicht war es dieser Zwischenstop, der nötig war, um endlich losgehen zu können, aber so ich hier sitze und den portugiesischen Bauarbeitern zuhöre (was sie schreien ist mit unklar, aber es wird wohl sowas sein wie "Achiiiiim, ist der Putz schon dran?") muss ich sagen, dass es das ist, was mich glücklich macht und was richtig scheint. Auch nachdem die erste Zeit des Alles-ist-neu, Boah-Leute-von-überall, Ich-denke-da-machen-wir-eine-fette-fette-Party vorbei ist, erfüllt mich das Leben hier immernoch mit so viel Glück und Freude. In diesem Sinne das schon lange geplante und längst überfällige:
"Liebe Freunde, liebe Familie,
ich danke der Academy und dem Blumenkohlmann. All jenen, die mich unterstützt haben, in dem was ich tue und jenen, die es immernoch tun. Ich danke meiner Mama für die Fleece-Decke und die Lebkuchen, die sie mir geschickt hat, meine Papa für sein eifriges Tan-Nummern-Streichen, meiner großen großen Schwester für die Bilder von meinem Neffen (und dass sie ihn 9 Monate mit sich herum getragen hat) und meiner großen kleinen Schwester für die erbaulichen Gespräche über Frauen, Sex und übermäßigen Alkoholkonsum zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ich danke dem Erfinder der Pastéis de Nata und der Schokoduftkerzen, sowie der Gemüsefrau von unten für ihre günstigen Preise, mit der Gewissheit, dass sie alle es lesen werden. Auch wenn ich - bis auf eine - noch keine Postkarten verschickt habe, ich denke oft dran und schon die Hebamme sagte bei meiner Geburt zu meinem Vater: 'Der gute Wille zählt!'
Ich danke all den übrig gebliebenen, neu dazugekommenden und auch denen, die es (noch) nicht sind, Lesern dieses leidlich geführten Blogs, Kacke auf mein Haupt!
In diesem Sinne: Prost!"
So....dit wär dit.
...
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Mein Portugallisch, so muss ich mit stolz geschwellter Brust zugeben, wird tatsächlich besser, auch wenn ich mich nicht unter die Top-50 der Lern-Motivierten zählen würde, aber im nationalen Ranking derjenigen, die vorher keine Ahnung von Schtii hatten, bin ich unter den vorderen 99% (vielleicht habt ihr von uns gehört, wir rennen neuerdings mit Plakaten durch die halbe Welt). Am Freitag werde ich eine zusätzliche Stunde Sprachkurs bei der Freundin eines Freundes nehmen (die Portugallierin ist), die erste Stunde umsonst (Schnäppchernjäger aus Leidenschaft!) und ihre Gruppe aufmischen. Imponiert habe ich ihr durch die spontane Kreation eigener Beleidigungs-Kompositionen mittels der einfachen Verknüpfung von Wörtern wie "Pastete", "Mutter" oder "Stockfisch" mit "Kacke". Ihr Pastéis da merda de Belém! Aber auch das Fluchen, Flirten und Beleidigen in anderen Sprachen geht voran, so dass meinem Leben als Weltenbummler nichts mehr im Wege steht (außer Mutti).
Nächstes Ziel nach dem Portugiesischen ist derzeit italienisch zu lernen. Aber das ändert sich stetig, war schon spanisch, französisch und holländisch, wir werden also sehen. Ich werde über Änderungen berichten. Auch die Musiker-Karriere geht voran. Alessandro, ein Freund hier, und ich haben letztens unseren ersten Euro verdient, als wir in der U-Bahn aufhörten zu singen und uns auf 2-Akkord-Instrumental-Musik beschränkten. (An dieser Stelle nochmal ein herzliches Danke an Rachel, die mit der Entleerung ihres Kupfergeldes auf unsere Gitarrentasche sicherlich Vorbild für alle war). Zeitlich und vor allem wetterbedingt kommen wir nicht häufig dazu zu spielen, doch ist dieser erste Schritt in Richtung einer Rock'n'Roll-Superstar-Karriere nun endlich getan. Groupies können erleichtert aufatmen.
Soooo, der Onkel hat morgen eine Präsentation und noch 20 Seiten portugälischen Text vor sich. Zum Glück hat Morgenstund Gold im Mund, das werd ich zur Bestechung der Jury bitter nötig haben.
In diesem Sinne einen frohen ersten Advent nachträglich und denkt immer daran, nur wenn ihr fleißig seid, schüttelt Frau Holle die Kissen (und den Jungs einen von der Palme)!
Macht's gut!
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