Montag, 28. November 2011

Breakfast at ... the Riverside

Guten Morgen liebe Gemeinde,
lang ist es her, dass der liebe Vater Tom gepredigt hat, zum einen der Zeit, zum anderen der Vergesslichkeit, zum wieder anderen der Auswahl der Themen wegen. Doch an diesem wunderschönen Morgen möchte ich meine gute Laune (Gudä LaunäääääääÄ!) mit euch teilen, liebe Gemeinde und nach einem Sonnenaufgangs-Frühstück am Tejo dieses Video empfehlen, was einfach nur ... schön ist. 



Doch was hat er getrieben, in all der Zwischenzeit, zwischen Zeit und Raum, Raum suchend, suchend und findend? Wenn er das noch wüsste, liebe Gemeinde, dann hätte es ja auch Blog-Einträge gegeben. Geprägt war die Zeit von guten, wie von schlechten Tagen, Sonnenschein und Regen, kulinarischen Genüssen aus Japan, China, Italien (überall, nur nicht Portugal(l)), Liebe, Lust und Leidenschaft und einem Haufen nichtssagender Beschreibungen der letzten Tage. 
Heute Morgen hab ich von meinem Neffen geträumt. Im Traum waren es sogar zwei, und sie waren drei. Jahre alt. Und just in dem Moment, als ich ihnen ihr erstes englisches Wort (ugly) beibringen wollte, wurde ich von einem Weck-Anruf zum Sonnenaufgang schauen und Frühstück essen am Fluss (der wohlbemerkt so nebelüberzogen war, dass man nur ein langsam heller werdendes etwas sehen konnte, was sich Tag nannte), ... jedenfalls als ich meinen Neffen grade Englisch lehren wollte, wurde ich geweckt. Und startete mit einem guten Gefühl in den Tag. Wenn man an Kinder denkt und ein gutes Gefühl hat, merkt man, dass man alt geworden ist. Oder pädophil. 

Wir schreiben den 28. November, der erste Tag wohlbemerkt seit langem, an dem ich vor um 8 aufgestanden bin. Nunmehr 3 Monate und 10 Tage bin ich schon auf Irrwegen, Umwegen, Auswegen und Vonwegen(s) unterwegs. 3 Monate und 10 Tage, die mich die meiste Zeit sehr glücklich gemacht haben und eine der besten Entscheidungen waren, die ich in den letzten 35 Jahren getroffen habe. Ich hab mich während meiner Schulzeit nie getraut für längere Zeit ins Ausland zu verschwinden, weil ich mir nicht vorstellen konnte so lange ohne die geliebten Menschen zu leben, die ich zuhause lassen würde. Dann ging ich nach Halle und stellte fest, dass es irgendwie doch geht, auch wenn man sich nur selten sieht. Vielleicht war es dieser Zwischenstop, der nötig war, um endlich losgehen zu können, aber so ich hier sitze und den portugiesischen Bauarbeitern zuhöre (was sie schreien ist mit unklar, aber es wird wohl sowas sein wie "Achiiiiim, ist der Putz schon dran?") muss ich sagen, dass es das ist, was mich glücklich macht und was richtig scheint. Auch nachdem die erste Zeit des Alles-ist-neu, Boah-Leute-von-überall, Ich-denke-da-machen-wir-eine-fette-fette-Party vorbei ist, erfüllt mich das Leben hier immernoch mit so viel Glück und Freude. In diesem Sinne das schon lange geplante und längst überfällige:

"Liebe Freunde, liebe Familie,
ich danke der Academy und dem Blumenkohlmann. All jenen, die mich unterstützt haben, in dem was ich tue und jenen, die es immernoch tun. Ich danke meiner Mama für die Fleece-Decke und die Lebkuchen, die sie mir geschickt hat, meine Papa für sein eifriges Tan-Nummern-Streichen, meiner großen großen Schwester für die Bilder von meinem Neffen (und dass sie ihn 9 Monate mit sich herum getragen hat) und meiner großen kleinen Schwester für die erbaulichen Gespräche über Frauen, Sex und übermäßigen Alkoholkonsum zu jeder Tages- und Nachtzeit. Ich danke dem Erfinder der Pastéis de Nata und der Schokoduftkerzen, sowie der Gemüsefrau von unten für ihre günstigen Preise, mit der Gewissheit, dass sie alle es lesen werden. Auch wenn ich - bis auf eine - noch keine Postkarten verschickt habe, ich denke oft dran und schon die Hebamme sagte bei meiner Geburt zu meinem Vater: 'Der gute Wille zählt!'
Ich danke all den übrig gebliebenen, neu dazugekommenden und auch denen, die es (noch) nicht sind, Lesern dieses leidlich geführten Blogs, Kacke auf mein Haupt!

In diesem Sinne: Prost!"

So....dit wär dit.
...
...

...
Mein Portugallisch, so muss ich mit stolz geschwellter Brust zugeben, wird tatsächlich besser, auch wenn ich mich nicht unter die Top-50 der Lern-Motivierten zählen würde, aber im nationalen Ranking derjenigen, die vorher keine Ahnung von Schtii hatten, bin ich unter den vorderen 99% (vielleicht habt ihr von uns gehört, wir rennen neuerdings mit Plakaten durch die halbe Welt). Am Freitag werde ich eine zusätzliche Stunde Sprachkurs bei der Freundin eines Freundes nehmen (die Portugallierin ist), die erste Stunde umsonst (Schnäppchernjäger aus Leidenschaft!) und ihre Gruppe aufmischen. Imponiert habe ich ihr durch die spontane Kreation eigener Beleidigungs-Kompositionen mittels der einfachen Verknüpfung von Wörtern wie "Pastete", "Mutter" oder "Stockfisch" mit "Kacke". Ihr Pastéis da merda de Belém! Aber auch das Fluchen, Flirten und Beleidigen in anderen Sprachen geht voran, so dass meinem Leben als Weltenbummler nichts mehr im Wege steht (außer Mutti).
Nächstes Ziel nach dem Portugiesischen ist derzeit italienisch zu lernen. Aber das ändert sich stetig, war schon spanisch, französisch und holländisch, wir werden also sehen. Ich werde über Änderungen berichten. Auch die Musiker-Karriere geht voran. Alessandro, ein Freund hier, und ich haben letztens unseren ersten Euro verdient, als wir in der U-Bahn aufhörten zu singen und uns auf 2-Akkord-Instrumental-Musik beschränkten. (An dieser Stelle nochmal ein herzliches Danke an Rachel, die mit der Entleerung ihres Kupfergeldes auf unsere Gitarrentasche sicherlich Vorbild für alle war). Zeitlich und vor allem wetterbedingt kommen wir nicht häufig dazu zu spielen, doch ist dieser erste Schritt in Richtung einer Rock'n'Roll-Superstar-Karriere nun endlich getan. Groupies können erleichtert aufatmen.

Soooo, der Onkel hat morgen eine Präsentation und noch 20 Seiten portugälischen Text vor sich. Zum Glück hat Morgenstund Gold im Mund, das werd ich zur Bestechung der Jury bitter nötig haben.
In diesem Sinne einen frohen ersten Advent nachträglich und denkt immer daran, nur wenn ihr fleißig seid, schüttelt Frau Holle die Kissen (und den Jungs einen von der Palme)!

Macht's gut!

Sonntag, 13. November 2011

What I will never forget...

... ist der Junge, der auf dem Largo do Carmo einen Blowjob bekommen hat. Dieser Eintrag entsteht nach einer Pub-Nacht um 6 uhr morgens und ist actually (weil ich das Wort mag hier in Englisch) mehr eine Art Tagebucheintrag für mich, als für die Augen meiner jugendlichen Leser bestimmt. Die Stimmung unterstreichend regnet es grad wie Hölle. Das dazu passende Gewitter hat grad in einem Abstand von 0,38 Sekunden Donner auf Blitz folgen lassen, was mich schließen lässt, dass ich nur ganz knapp verfehlt wurde. Arme Nachbarn.
Ja, actually bin ich grad ein wenig betrunken und müde, was heißt, dass ich mich Kurt fassen mussen. Also Kurt, los!

Die letzten Tage bestanden daraus nach ewigem Hin und Her (was zum, jemand macht sich in der Küche grad was zu essen) zu irgendwelchen Partys zu gehen, die bevor man sie erreichte von der Polizei aufgelöst wurden, von denen man runtergeschmissen wurde, weils die falsche Party war (ups, falsches Stockwerk) oder die kurz nachdem man ankam von der Polizei aufgelöst wurde. Die machen ja viel mit hier, die Polizisten, aber Partys scheinen die nicht zu mögen. Wie auch immer, das nur nebenbei.

Da dies ein einfacher fauler Tagebucheintrag ist, halt ich hier nur für mich folgende Begriffe und einen Satz fest: Largo do Carmo, Gitarre, Alessandro, Yann. Und vergiss niemals den Jungen, der auf deinem Platz einen Blowjob im Regen bekommen hat.

Ich grüße meine Eltern!

Freitag, 11. November 2011

There is no but, but ...

Morgens halb 10 in Lissabon - der geneigte Leser wird sich wundern, warum der Autor noch wach ist, doch er irrt sich. Nicht das noch spielt hier die erste Geige, nein, es ist Chrischan. Dieser Witz macht natürlich nur Sinn, wenn man weiß, dass Chrischan Geige spielt. Alle die es nicht wissen, fangen nochmal von vorn an und lesen nach dem "nein," direkt hier weiter. Hier: es ist das schon. Doch was im ersten Moment wie der gute Vorsatz eines Lebenswandels aussieht, ist in Wahrheit nicht mehr als .... eine Bohrmaschine. Ich dachte, ich lebe mit Verrückten zusammen, doch was die Leute aus dem Haus gegenüber meines sowohl wetter-, als auch lautstärketechnisch schlecht isolierten Fensters betreiben, übersteigt jegliche Gimon-Skala* (*Gimon-Skala: Maß der Verrücktheit). Noch nie in der Geschichte der Sanierungsarbeiten habe ich von Leuten gehört, die versuchen ein Haus mit einer einzigen Bohrmaschine abzureißen. Loch für Loch. Doch das und nicht weniger scheint das Ziel der eifrigen marokkanischen Schwarzarbeiter zu sein, die in regelmäßigen Abständen meine (gemessen an der Schlafen-geh-Zeit) Mitternachts-Tiefschlaf-Phase stören. Hier zeigt sich, dass nicht nur die Putzfrau eine Kehrseite hat, wenn ich mir diesen neuerlichen Wortwitz erlauben darf, sondern auch die Abschaffung der Wehrpflicht, da man sich Ohropax nun in der Apotheke besorgen muss. Portugiesisches Klopapier hat jedenfalls nicht die selbe Wirkung. 
Doch Retter in der Not und damit hier nach Chrischan, Gimon, den Marokkanern und der Putzfrau erwähnt, sind Dine und Frännie mit ihrem wunderbaren MP3-Player* (moderne Form des Walkmans) und der darauf befindlichen elektronischen Reggae-Musik, die meine wunden Ohren nun mit den sanften Off-Beats ihres Genres zu heilen versucht. Zutiefst zum Dank verpflichtet, werde ich ihnen zu Ehren eine Flasche Wein trinken. Jetzt brauche ich nur noch eine Jahrespackung Batterien und das Jahr ist gerettet - bis zur nächsten Mäkeltour. Womit ich auch schon den heutigen Beitrag einleite ...

There is no but, but ...

... wer schön sein will, muss leiden. Das gilt auch für die, die es schon sind, so durfte ich hier zum wiederholten Male feststellen. Die - temporäre - Bereinigung der Akte Bohrmaschine ist nicht der erste Fall, der meine Schlüpfergummis und Nerven der Zerreißprobe unterzieht. Ich wohne eindeutig in einem Sommerhaus. Die Schönheit, die Lage, der ruhige, bebaumte Platz vor dem Haus, auf dem man in lauen Sommernächten sein Abendbrot vertilgen kann, der stilvoll designte Alte-Haus-Stil - das alles macht im regnerisch, nass-kalten Winter Lissabons so viel Spaß wie [random unlustiger Vergleich]. Einziger Trost ist da die Hoffnung, dass es nicht kälter und nicht nässer wird, man also mittlerweile weiß, auf was man sich einstellen muss. Um eine kurze Lagebeschreibung zu geben, fange ich diesen Beitrag nochmal von vorn an:
Hallo Freunde, hier bin ich wieder! Also, was gibt es Neues aus dem Land, in dem Außentemperatur gleich Zimmertemperatur ist, die Wäsche nicht mehr trocknet und Waschmaschine, Kühlschrank, mobile Heizkörper und alles was ne Spule hat über eine Sicherung läuft?

Nachdem ich das Kälteproblem, was sich in der Art ausdrückte, dass ich vergaß, was warme Füße waren, beseitigt hatte, indem ich einen Satz mit vielen Kommata schrieb und den mobilen 1000 Watt Heizkörper (von führenden Elektrofachleuten mit dem Siegel "Jeder Wasserkocher hat mehr" beklebt) in mein Zimmer geholt hatte, so dass ich, wenn sich das Zimmer schon nicht zur Gänze auf gesunde 22,3°C Raumtemperatur aufheizen lassen wollte, wenigstens meine Socken vor dem Schlafen gehen aufwärmen konnte, schrieb ich ich einen Satz, der immernoch nicht zu Ende ist und wirklich viele Kommata hat und bekam das Elektro-Problem.
Die von uns hinter ihrem Rücken mit einem "Du hast wohl n Vogel" abgetane Vorschrift unserer Vermieterin bitte keine Heizkörper zu benutzen, da diese das Stromnetz überlasten, hatte einen Funken Wahrheit in sich. Dies durften wir nach der gemeinsamen Nicht-Beachtung dieser Regel feststellen, da dieser Tage jeden Abend 2-3 Mal die Sicherung rausspringt. Zumeist zu der Zeit, wo einer den Ofen benutzt, der zweite sein Handtuch im Bad während des Duschens vorheizt, der dritte sich die Haare föhnt, der vierte seine Wäsche wäscht, der fünfte sein Zimmer heizt und der sechste ... ihr versteht? Ist eben nicht alles nach DIN.

Ich habe soeben beschlossen nochmal zu versuchen ne Stunde Schlaf zu kriegen, und die weiteren Themen wie immer zu verschieben. Aber schon die dicke Frau auf dem Boden wusste: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben". Geholfen hat es ihr allerdings auch nichts.
In der nächsten Folge also diese Themen: "Was ich das letzte Mal angekündigt habe und doch nicht erzählte", "Schlechte Wortwitze" und der Petition an die Lissaboner Behörde für Trunkenheit am Steuer "Gebt der Putzfrau ihren Lappen wieder, wie soll die denn sonst arbeiten!"