Freitag, 11. November 2011

There is no but, but ...

Morgens halb 10 in Lissabon - der geneigte Leser wird sich wundern, warum der Autor noch wach ist, doch er irrt sich. Nicht das noch spielt hier die erste Geige, nein, es ist Chrischan. Dieser Witz macht natürlich nur Sinn, wenn man weiß, dass Chrischan Geige spielt. Alle die es nicht wissen, fangen nochmal von vorn an und lesen nach dem "nein," direkt hier weiter. Hier: es ist das schon. Doch was im ersten Moment wie der gute Vorsatz eines Lebenswandels aussieht, ist in Wahrheit nicht mehr als .... eine Bohrmaschine. Ich dachte, ich lebe mit Verrückten zusammen, doch was die Leute aus dem Haus gegenüber meines sowohl wetter-, als auch lautstärketechnisch schlecht isolierten Fensters betreiben, übersteigt jegliche Gimon-Skala* (*Gimon-Skala: Maß der Verrücktheit). Noch nie in der Geschichte der Sanierungsarbeiten habe ich von Leuten gehört, die versuchen ein Haus mit einer einzigen Bohrmaschine abzureißen. Loch für Loch. Doch das und nicht weniger scheint das Ziel der eifrigen marokkanischen Schwarzarbeiter zu sein, die in regelmäßigen Abständen meine (gemessen an der Schlafen-geh-Zeit) Mitternachts-Tiefschlaf-Phase stören. Hier zeigt sich, dass nicht nur die Putzfrau eine Kehrseite hat, wenn ich mir diesen neuerlichen Wortwitz erlauben darf, sondern auch die Abschaffung der Wehrpflicht, da man sich Ohropax nun in der Apotheke besorgen muss. Portugiesisches Klopapier hat jedenfalls nicht die selbe Wirkung. 
Doch Retter in der Not und damit hier nach Chrischan, Gimon, den Marokkanern und der Putzfrau erwähnt, sind Dine und Frännie mit ihrem wunderbaren MP3-Player* (moderne Form des Walkmans) und der darauf befindlichen elektronischen Reggae-Musik, die meine wunden Ohren nun mit den sanften Off-Beats ihres Genres zu heilen versucht. Zutiefst zum Dank verpflichtet, werde ich ihnen zu Ehren eine Flasche Wein trinken. Jetzt brauche ich nur noch eine Jahrespackung Batterien und das Jahr ist gerettet - bis zur nächsten Mäkeltour. Womit ich auch schon den heutigen Beitrag einleite ...

There is no but, but ...

... wer schön sein will, muss leiden. Das gilt auch für die, die es schon sind, so durfte ich hier zum wiederholten Male feststellen. Die - temporäre - Bereinigung der Akte Bohrmaschine ist nicht der erste Fall, der meine Schlüpfergummis und Nerven der Zerreißprobe unterzieht. Ich wohne eindeutig in einem Sommerhaus. Die Schönheit, die Lage, der ruhige, bebaumte Platz vor dem Haus, auf dem man in lauen Sommernächten sein Abendbrot vertilgen kann, der stilvoll designte Alte-Haus-Stil - das alles macht im regnerisch, nass-kalten Winter Lissabons so viel Spaß wie [random unlustiger Vergleich]. Einziger Trost ist da die Hoffnung, dass es nicht kälter und nicht nässer wird, man also mittlerweile weiß, auf was man sich einstellen muss. Um eine kurze Lagebeschreibung zu geben, fange ich diesen Beitrag nochmal von vorn an:
Hallo Freunde, hier bin ich wieder! Also, was gibt es Neues aus dem Land, in dem Außentemperatur gleich Zimmertemperatur ist, die Wäsche nicht mehr trocknet und Waschmaschine, Kühlschrank, mobile Heizkörper und alles was ne Spule hat über eine Sicherung läuft?

Nachdem ich das Kälteproblem, was sich in der Art ausdrückte, dass ich vergaß, was warme Füße waren, beseitigt hatte, indem ich einen Satz mit vielen Kommata schrieb und den mobilen 1000 Watt Heizkörper (von führenden Elektrofachleuten mit dem Siegel "Jeder Wasserkocher hat mehr" beklebt) in mein Zimmer geholt hatte, so dass ich, wenn sich das Zimmer schon nicht zur Gänze auf gesunde 22,3°C Raumtemperatur aufheizen lassen wollte, wenigstens meine Socken vor dem Schlafen gehen aufwärmen konnte, schrieb ich ich einen Satz, der immernoch nicht zu Ende ist und wirklich viele Kommata hat und bekam das Elektro-Problem.
Die von uns hinter ihrem Rücken mit einem "Du hast wohl n Vogel" abgetane Vorschrift unserer Vermieterin bitte keine Heizkörper zu benutzen, da diese das Stromnetz überlasten, hatte einen Funken Wahrheit in sich. Dies durften wir nach der gemeinsamen Nicht-Beachtung dieser Regel feststellen, da dieser Tage jeden Abend 2-3 Mal die Sicherung rausspringt. Zumeist zu der Zeit, wo einer den Ofen benutzt, der zweite sein Handtuch im Bad während des Duschens vorheizt, der dritte sich die Haare föhnt, der vierte seine Wäsche wäscht, der fünfte sein Zimmer heizt und der sechste ... ihr versteht? Ist eben nicht alles nach DIN.

Ich habe soeben beschlossen nochmal zu versuchen ne Stunde Schlaf zu kriegen, und die weiteren Themen wie immer zu verschieben. Aber schon die dicke Frau auf dem Boden wusste: "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben". Geholfen hat es ihr allerdings auch nichts.
In der nächsten Folge also diese Themen: "Was ich das letzte Mal angekündigt habe und doch nicht erzählte", "Schlechte Wortwitze" und der Petition an die Lissaboner Behörde für Trunkenheit am Steuer "Gebt der Putzfrau ihren Lappen wieder, wie soll die denn sonst arbeiten!"

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